Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».
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Acer palmatum
Fächerahorn | Iroha-momiji (jap.) | Japanischer Fächerahorn | Momiji (jap.)

Ein herrliches Solitärgehölz, das enorm vielseitig in Gärten, Parkanlagen und auf Terrassen verwendet werden kann. So wirkt Acer palmatum in Einzelstellung, aber auch in Gruppen oder gar waldartig genauso spannend wie als Kübelpflanze.
Japan, China und Korea; bevorzugt in Wäldern und an deren Rändern, von den Inseln über das Hügelland bis in die Berge (ca. 1300 m ü. M.). Nach Europa wurde diese Art um 1820 eingeführt und ebenfalls züchterisch bearbeitet. So gibt es heute weltweit zahlreiche Gartenformen und Sorten.
Sommergrün belaubter, vielgestaltiger, malerisch baumartig wachsender Grossstrauch oder anmutiger Kleinbaum. Acer palmatum entwickelt sich häufig mehrstämmig und bildet eine rundliche, schirmartige Krone, elegant fächerartige Äste und zierlich wippende Zweige aus. In Höhe und Breite werden 5–8 m (12 m) erreicht.
Die gegenständig an den dünnen und kahlen Trieben angeordneten, handförmig geteilten Blätter weisen einen halbkreisförmigen bis rundlichen Umriss auf und sind meist fünf- bis sieben-, seltener neun- bis elflappig ausgebildet. Die Blätter werden 5–10 cm lang und ebenso breit, können im Aussehen aber recht stark variieren: So kann der Rand teilweise doppelt gesägt ausgebildet sein und der bis 5 cm lange Stiel eine grünliche oder rötliche Färbung aufweisen. Im Austrieb sind die Blätter oft bronzefarben oder leicht rötlich angehaucht; später nimmt die Blattoberseite eine leuchtend frisch- bis dunkelgrüne Färbung an. Die Unterseite bleibt deutlich heller, und im Herbst färbt sich das Laub dann herrlich in allen warmen Farbtönen von gelb über orange bis rot oder gar purpurviolett. Unmittelbar mit oder kurz nach dem zeitigen Laubaustrieb erscheinen im April/Mai die purpurfarbenen, zierlichen, 6–8 mm breiten Blüten zu mehreren vereint in Form von abstehenden oder hängenden Trugdolden. Die zuerst roten, später braun werdenden und stumpfwinklig zueinander stehenden Fruchtflügel werden bis 2,5 cm lang. Die Rinde bzw. Borke ist anfänglich grasgrün bis grünlich grau gefärbt und nimmt mit zunehmendem Alter eine graubraune Färbung an, bleibt jedoch glatt. Gelegentlich sieht man auch eine dunkle Rotfärbung der jungen Triebe, besonders wenn der Ahorn an einem sonnigen Standort steht. Acer palmatum weist einen hohen Anteil an oberflächennahen Feinwurzeln auf (Flachwurzler) und schätzt einen kühlen, beschatteten und gleichmässig feuchten Wurzelraum.
Ein sonniger bis absonniger oder halbschattiger Standort ist geeignet; optimal ist ein windgeschützter und lichtschattiger Standort ohne Abstrahlungshitze. Acer palmatum bevorzugt einen gut durchlässigen, lockeren und humosen bis sandig-lehmigen Boden mit einem pH-Wert im schwach sauren bis neutralen Bereich. Allgemein weist der Japanische Fächerahorn jedoch eine weite Bodenamplitude auf und erträgt klaglos auch alkalische Bodentypen, wenn alle anderen Wachstumsfaktoren stimmen. Staunässe wie auch schlecht durchlüftete bzw. verdichtete und nasskalte Böden sind jedoch Gift! Frostschäden und Pilzerkrankungen oder gar ein Totalausfall resultieren daraus. Einmal eingewachsen und etabliert, hat sich der in jungen Jahren etwas frostempfindliche Acer palmatum in unseren Breiten als gut winterhart erwiesen, und hochsommerliche Hitze- und Trockenphasen werden, einen geeigneten Standort und Boden vorausgesetzt, erstaunlich gut ertragen. Spätfrost im Frühjahr (früher Laubaustrieb), Hagel im Sommer oder früher Nassschneefall im Herbst (Bruchgefahr) stellen wettermässig die grössten Gefahren dar. Hauptsächlich in Japan als eigene Art geführt (Acer amoenum), wird die eigentliche Unterart amoenum (Acer palmatum subsp. amoenum (Carrière) H. Hara) dadurch unterschieden, dass deren Blätter etwas grösser sind, aber deutlich weniger tief gelappt erscheinen und einen ganz fein gesägten Rand sowie etwas grössere Fruchtflügel (3–5 cm) aufweisen.
Diese Schäden haben – dem Klimawandel geschuldet – in den letzten Hitzesommern zugenommen. Durch das spätere Aufplatzen der Rinde bzw. das Freilegen des Holzkörpers können Pilze (z. B. Rotpustelkrankheit, Nectria cinnabarina) und Fäulnis auftreten und das Gehölz nachhaltig schädigen. Ebenfalls können solche Pilze durch unsachgemässen Schnitt (grossflächige Schnitte bzw. Astabnahmen) eintreten. Solche grossen Wunden gilt es tunlichst zu vermeiden, da Acer palmatum diese Verletzungen nur langsam abschotten kann. Besser ist es, den japanischen Ahorn gar nicht zu schneiden – er entwickelt auch ohne gärtnerisches Zutun eine herrlich malerische Wuchsform. Sollte es trotzdem einmal nötig sein, die Pflanze zu schneiden, bspw. um sich kreuzende und scheuernde Äste zu entfernen, sollte dies am besten während der Vegetationszeit erfolgen. Über die Verwendung von Wundverschlusspaste existieren unterschiedliche Meinungen, da die Gefahr besteht, dass sich unter der vermeintlichen Schutzschicht Fäulnis bilden kann. Die gefährlichsten Schädlinge, die den japanischen Ahorn bedrohen können, sind die aus dem asiatischen Raum stammenden Bockkäfer (Laubholzbockkäfer, Anoplophora glabripennis, ALB, und Citrusbockkäfer, Anoplophora chinensis, CLB). Diese wurden als ungebetene Gäste mit Verpackungsholz nach Europa eingeschleppt und gelten als meldepflichtige Quarantäneorganismen.
Der japanische Ahorn bevorzugt ein gleichmässiges Bodenklima bzw. keine extremen Wechsel von trocken zu feucht und umgekehrt. Eine gleichmässige Bodenfeuchtigkeit wird geschätzt und kann im Garten durch das Aufbringen einer dünnen Mulchschicht aus organischem Material wie reifer Kompost, Rindenmulch etc. gefördert werden. Ein gut drainierter und durchlüfteter Boden hilft auch vorbeugend gegen den Befall mit der Verticillium-Welke – ein bodenbürtiger Pilz, der die Saftbahnen verstopft und einzelne Äste oder ganze Stammteile zum Welken und anschliessenden Absterben bringt. Für die Bekämpfung dieses Pilzes stehen keine Fungizide zur Verfügung. Es gilt, die Pflanze vorbeugend durch das Bereitstellen von optimalen Standort- und Bodenbedingungen und eine gute Nährstoff- und Wasserversorgung zu schützen. Auf zu feuchten oder gar sumpfig nassen und kalten Böden ist ein Misserfolg unausweichlich. In der japanischen Kultur- und Gartengeschichte spielt dieser vielgestaltig wachsende Baum eine wichtige Rolle.
Ein herrliches Solitärgehölz, das enorm vielseitig in Gärten, Parkanlagen und auf Terrassen verwendet werden kann. So wirkt Acer palmatum in Einzelstellung, aber auch in Gruppen oder gar waldartig genauso spannend wie als Kübelpflanze. Auch in der Kombination mit anderen Gehölzen wie bspw. dem Japanischen Hartriegel (Cornus kousa), Rhododendronarten und -sorten oder verschiedene Bambusarten wie auch mit Schatten liebenden Stauden (z. B. Ophiopogon japonicus) oder Gräsern (z. B. Carex morowii) und Farnen (z. B. Polystichum setiferum) unterpflanzt, wirkt Acer palmatum immer stimmig. Bei frisch gepflanzten Exemplaren – besonders wenn diese aufgeastet worden sind – ist es ratsam, einen temporären Sonnenschutz aus Jutebandagen, Lehm- oder Kalkanstrich, Schilfrohrmatte o. Ä. zu erstellen, um Sonnenbrandschäden zu vermeiden.
Mit ihrem anmutigen Wuchs, dem zarten Laub, der herrlichen Herbstfärbung und den vielfältigen gestalterischen Verwendungsmöglichkeiten gehört die reine Art Acer palmatum zu unseren grössten Gartenkostbarkeiten und steht in meiner persönlichen Beliebtheitsskala ganz weit oben. Die zahlreichen und nachfolgend ausführlich beschriebenen Gartensorten wirken gezielt eingesetzt äusserst reizvoll, werden aber leider oft als Massenartikel produziert und im Grossverteiler angeboten. Daher werden sie von Laien auch an äusserst unpassenden bis unmöglichen Standorten verwendet, was sie – etwas zu Unrecht – in den Ruf von heiklen und empfindlichen Gartenpflanzen gebracht hat.
Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.
Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.
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