Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Aesculus hippocastanum

Gewöhnliche Rosskastanie | Rosskastanie

Aesculus hippocastanum

Die Rosskastanie war über Jahrhunderte ein an sich robuster und gut frostharter Solitär-, Hof- und Parkbaum, der bspw. in der Schweiz im Kanton Bern auf nahezu jedem grösseren Bauernhof präsent war.

VERBREITUNG

Südosteuropa und bis in den Norden Irans; bevorzugt in feuchten Gebirgswäldern auf nahrhaften Böden.

WUCHS

Imposanter sommergrüner Baum mit einer hoch gewölbten, breiten und dicht geschlossenen Krone. In der Höhe können bis 30 m und in der Breite 20–25 m erreicht werden.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die bis 20 cm langen, gegenständig an den graubraunen, glatten und recht dicken Trieben angeordneten Blätter sind handförmig sowie fünf- bis siebenfach geteilt. Im Sommer ist das Laub auf der Oberseite dunkelgrün, während die Unterseite heller erscheint und mit rötlich braunen Achselbärten versehen ist; im Herbst färbt es sich gelb bis bräunlich gelb. Die Stammborke nimmt mit zunehmendem Alter eine dunkelgraue bis braunschwarze Färbung an und blättert schuppig ab. Am Ende der Triebe befinden sich die charakteristischen rötlich braun glänzenden, grossen, klebrigen Winterknospen. Die weissen und gelbrot gefleckten, aufrecht stehenden Blütenrispen erscheinen im Mai/Juni und können 20–30 cm lang werden. Auf diese folgen die bestachelten, bis 6 cm grossen, grünen Früchte (Samenkapseln), die einen bis zwei (drei) kastanienbraune Samen enthalten: die allseits bekannten sogenannten Rosskastanien, die sich zusammen mit Zahnstochern hervorragend zum Basteln mit Kindern eignen.

Das ausgeprägte Herzwurzelsystem entwickelt sich tief sowie weit und ist mit einem hohen Anteil an Feinwurzeln versehen. Ganz typisch für die Rosskastanie sind aber auch starke, oberflächennahe Wurzeln. Ein sonniger bis halbschattiger Platz auf einem drainierten, aber frischen bis feuchten und nahrhaften Boden ist ideal. Die Blätter verfärben sich bei einem Befall mit der Rosskastanienminiermotte (Cameraria ohridella) bereits im Sommer bräunlich und sehen dann herbstlich aus. Dieser starke Miniermottenbefall hat sich in den 1990er-Jahren vom südöstlichen Europa her kommend mittlerweile auf dem ganzen Kontinent ausgebreitet. Zudem reagiert Aesculus hippocastanum empfindlich auf Bodenverdichtung wie auch eine Belastung mit Auftau- bzw. Streusalz.

Essenz

Die Rosskastanie war über Jahrhunderte ein an sich robuster und gut frostharter Solitär-, Hof- und Parkbaum, der bspw. in der Schweiz im Kanton Bern auf nahezu jedem grösseren Bauernhof präsent war. Zudem wurde sie früher gern als dachförmig geschnittener Schattenspender an Seepromenaden und in Biergärten verwendet. Den Trivialnamen Rosskastanie prägten Pferdeknechte, die früher gehackte Früchte dem Pferdefutter zumischten als bewährtes Mittel gegen Husten.

Für Menschen sind die Früchte leicht giftig. Heute gilt das Prädikat robust nur noch sehr bedingt, da die Rosskastanienminiermotte (Cameraria ohridella) und die Kastanien-Bakterienkrankheit (Pseudomonas syringae pv. aesculi) zurzeit dem Gehölz stark und grossflächig zusetzen, was zum einen das Erscheinungsbild und zum anderen seine Vitalität stört, denn die Raupen fressen Gänge in die Blätter. Bisher gab es kein wirksames Mittel gegen den eingewanderten Schädling. Inzwischen wurde aber beobachtet, dass Meisen gelernt haben, die Insekten zu fressen. Es besteht Hoffnung, dass sich die einheimische Fauna langsam an die neue Situation anpasst und die Miniermotte in ihre Nahrungspalette aufnimmt. Die Rosskastanienblüte ist sehr nektarhaltig und daher auch eine ausgezeichnete Bienenweide.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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