Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Betula pendula

Gemeine Birke | Hängebirke | Rabenblutbaum | Raue Birke | Sandbirke | Warzenbirke | Weiss­birke



Betula pendula 'Laciniata'

Die Gemeine Birke ist recht universell zu verwenden, ob als Ziergehölz für Gärten und Parkanlagen, als Alleebaum an Landstras­sen wie auch als genügsames Pioniergehölz für Ödland und zur Rekultivierung. Die Raupen von zahlreichen Schmetterlingsarten fressen die Blätter dieser ökologisch wertvollen Pflanze.

VERBREITUNG

Eurosibirisch, im Kaukasus und Klei­nasien; von Meereshöhe bis auf ca. 1800 m ü. M. aufsteigend und auf verschiedensten Bodentypen von steinig-trocken bis ­moo­rig feucht.

WUCHS

Sommergrüner Baum von 20 bis 30 m Höhe mit einer schlanken, hoch gewölbten und eher filigranen, lockeren Krone. Die Hauptäste sind malerisch ausgebreitet, die Seitenäste hängen charakteristisch lang herunter. Diese heimische Birke ist in ihrem Habitus aber ausgesprochen variabel. Die Wuchsform richtet sich häufig nach der Umgebung und dem Nährstoffangebot im Boden; so sind strauchartige und bizarr gewachsene Exemplare in unwirtlichen Gegenden keine Seltenheit.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die wechselständig angeordneten, bis 6 cm langen Blätter sind dreieckig bis rautenförmig und am Rand grob gesägt. Der recht früh im Jahr erscheinende Austrieb ist hellgrün gefärbt, im Lauf des Sommers nehmen sowohl Ober- als auch Unterseite eine frischgrüne Tönung an, die Herbstfärbung leuchtet goldgelb oder bräunlich gelb. Die grüngelben, 3–5 cm langen weiblichen und die bis 10 cm langen, gelblich gefärbten männlichen Kätzchen erscheinen im März/ April, wobei sie sich getrennt auf derselben Pflanze befinden (einhäusig) und durch den Wind bestäubt werden. Ab August/September reifen die zylindrischen, 2–3 cm langen, braunen Fruchtkätzchen; sie enthalten zweiseitig geflügelte Samen. Die jungen Triebe sind dicht besetzt mit warzigen Harzdrüsen und schwarzbraun gefärbt, während die Stammborke weiss abrollend erscheint und an der Stammbasis oft schwarz, längsrissig und tief gefurcht ausgebildet ist.

Das rötlich weisse Holz ist wenig dauerhaft, es wird aber als Möbelholz wie auch im Innenausbau und besonders als wertvolles Brennholz geschätzt. Betula pendula bildet als Herzwurzler ein fast brettartiges und sehr flaches Wurzelwerk aus. Ein sonniger bis absonniger Standort ist für diese lichthungrige Pflanze optimal. Sie toleriert fast jeden einigermassen durchlässigen Boden, und auch dessen pH-Wert kann eine weite Amplitude von sauer bis alkalisch aufweisen. Bodenverdichtungen und heisse Sommer mit anhaltender Trockenheit werden jedoch nur schlecht ertragen.

Essenz

Die Gemeine Birke ist recht universell zu verwenden, ob als Ziergehölz für Gärten und Parkanlagen, als Alleebaum an Landstras­sen wie auch als genügsames Pioniergehölz für Ödland und zur Rekultivierung. Die Raupen von zahlreichen Schmetterlingsarten fressen die Blätter dieser ökologisch wertvollen Pflanze. Leider reagieren viele Menschen allergisch auf die Blüte. Deshalb und wegen des häufig abfallenden Reisigs (dünne Ästchen) stösst sie gerade in Siedlungen und bei vielen Hausmeistern auf Widerstand. Auch verdorrt die Rasenfläche darunter aufgrund des ausgeprägt oberflä­chen­na­hen Wurzelwerks ohne zusätzliche Bewässerung.

Das Gehölz wurde früher auch als Rabenblutbaum bezeichnet, und das schwarzbraune Öl (Oleum betulinum), das aus ihr gewonnen wird, ist als Rabenblut bekannt. Die elastischen Zweige werden gebündelt als Reisigbesen eingesetzt und die Blätter schon sehr lange als gelbbrauner Farbstoff genutzt; aus der Birkenrinde werden Schachteln, Körbe, Schuhe und Kleidungsstücke hergestellt. Auch als frische Bündel verwendet, sind sie wohl allen skandinavischen Saunagängerinnen und -gängern bekannt.

Betula pendula ist in unseren Städten leider ein klassisches «Opfer» der fortschreitenden Klimaerwärmung. Sie hat immer mehr Mühe im urbanen Raum und zieht sich in höhergelegene, kühlere und feuchtere Lagen zurück.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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