Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Buxus sempervirens

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Buxus sempervirens

Von den in Mitteleuropa einheimischen, immergrünen Laubgehölzen ist der Buchsbaum sicher die robusteste, frosthärteste und schnittverträglichste Gattung.

VERBREITUNG

Südeuropa und Kleinasien sowie in Nordafrika; bevorzugt im Unterholz von lichten Laubwäldern und an warmen, steinigen Abhängen auf kalk- und mineralreichen Lehmböden.

WUCHS

Langsam wachsender, langlebiger, immergrüner Strauch bzw. kurzstämmiger Baum, der in 800 Jahren bis 15 m hoch werden kann! In einem für unser Zeitverständnis überblickbareren Horizont werden 3–5 m Höhe und eine ebensolche Breite erreicht.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die ledrigen Blätter sind gegenständig an den jungen, grünlichen und etwas kantigen Trieben angeordnet. Ihre Form ist eiförmig bis elliptisch, oft gebogen, und sie können bis 3 cm lang werden; die Blattoberseite ist dunkelgrün und glänzend, während die Unterseite deutlich heller erscheint.

Im Winter färben sich die Blätter, gerade an sonnigen und exponierten Standorten, oft ins Kupferfarbene. Im März bis April zeigen sich die eher unscheinbaren, gelblich grünen Blüten in achsel- und endständigen Knäueln und werden gern von Bienen, Schwebefliegen wie auch von weiteren Insekten besucht. Ab dem Spätsommer reifen die bis etwa 8 mm grossen, dreiteiligen, ledrigen und runzligen Kapselfrüchte. Das Herzwurzelsystem entwickelt sich ausgesprochen dicht, fein verzweigt und weit reichend. Ideal sind ein absonniger bis halbschattiger Standort und ein gut durchlässiger, aber frischer bis mässig trockener, kalkhaltiger, sandiger Lehmboden mit einer Reaktion im schwach sauren bis alkalischen Bereich. Die weite Standortamplitude reicht jedoch von Südlagen in steinigen Hängen bis zum tiefen Schatten unter dichtkronigen Bäumen.

Buxus sempervirens ist Wärme liebend und erstaunlich hitzeverträglich. Auch Stadtklima wird toleriert, aber man sollte dieses Gehölz nicht zu nahe an den Strassenrand pflanzen, da es empfindlich auf Streusalz reagiert. Alle Pflanzenteile sind für den Menschen sowie Hunde, Rinder und Schweine giftig, insbesondere jedoch die Blätter und Rinde, die die höchste Konzentration von Cyclobuxin (Alkaloid) enthalten. Bei einer Einnahme fühlt man sich zuerst schwindlig, wie betrunken, dann wird einem richtig schlecht und man erbricht – dies kann ich aus eigener kindlicher Erfahrung ­berichten.

Essenz

Von den in Mitteleuropa einheimischen, immergrünen Laubgehölzen ist der Buchsbaum sicher die robusteste, frosthärteste und schnittverträglichste Gattung. Letztere Eigenschaft war schon den Römern bekannt, und Buchs wird seit jeher in zahlreichen geometrischen oder fantasievollen Formen und als Hecke kultiviert, aber auch frei wachsend in Parkanlagen und Gärten als Gestaltungselement verwendet. Am Palmsonntag dienen in nördlichen Gefilden seine Zweige oft als Palmwedelersatz. Es gibt eigentlich nichts, was nicht zu ihm passen würde: Ob Rosen, Stauden, Sommerblumen, kunstvolle Gefässe und Architektur, nahezu alles lässt sich mit der dazu passenden Buchsform aufwerten. Das Holz ist ausgesprochen hart und bei Drechslern beliebt.

Einst galt Buxus sempervirens als nahezu frei von Krankheiten und Schädlingen. Leider hat sich das geändert: Die Pilzkrankheit (Cylindrocladium buxicola) ist mit einer geeigneten Standortwahl (rasches Abtrocknen der Blätter gewährleisten, gute Luftzirkulation) noch in den Griff zu bekommen. In den letzten Jahren wurde jedoch der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) zu einem ernst zu nehmenden Problem. Der aus dem asiatischen Raum stammende Kleinschmetterling hat sich in verschiedenen europäischen Ländern und seit dem ersten Auftreten 2007 in Basel auch in der ganzen Schweiz stark verbreitet. Die Raupen sind sehr gefrässig und können selbst grosse Pflanzen kahlfressen. Ob sich ein natürlicher Gegenspieler auf das neue «Futterangebot» einstellt, bleibt weiter abzuwarten. Gerade Wespen und zahlreiche Vögel zeigen Interesse an diesem proteinreichen Neuling, werden jedoch logischerweise abgeschreckt, wenn die Raupen mit Insektiziden vergiftet werden.

Es ist gerade im Privatgarten wichtig, die Buchsbaumbestände regelmässig zu kontrollieren, um bei einem Befall bereits im Anfangsstadium ohne Chemieeinsatz intervenieren zu können, da die Raupen auch die grüne Rinde der jungen Zweige anfressen, wenn keine Blätter mehr da sind. In der Regel treiben die Gehölze wieder durch, doch werden sie massiv geschwächt und können bei sich mehrfach wiederholendem Befall sogar absterben. Der Buchsbaumzünsler lässt sich bekämpfen, indem man die Raupen abliest und tötet oder bei ihrem Auftreten das biologische Mittel Delfin® (Bacillus thuringiensis) spritzt. In europäischen Baumschulen ist der Absatz von Buxus sempervirens inkl. Sorten in den letzten 20 Jahren um etwa 80 % eingebrochen.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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