Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Carpinus betulus

Hagebuche | Hainbuche | Hornbaum | Weissbuch




Carpinus betulus

Die ausgesprochen gut schnittverträgliche Hainbuche ist dank ihrer hohen Anpassungsfähigkeit eine enorm vielseitig einsetzbare Pflanze. Ob als Alleebaum, Heckenpflanze, Formschnittgehölz oder als Solitär – und nicht zuletzt als Kletterbaum in Siedlungen und Schulhöfen –, sie macht als heimische Gehölzart immer eine gute Figur!

VERBREITUNG

Europa, Balkan, Kaukasus und Nordiran, bevorzugt auf mässig trockenen bis frischen Böden. Eine Charakterbaumart in europäischen Mischwäldern, die bis auf ca. 1000 m ü. M., im Kaukasus gar bis gegen 2000 m aufsteigen kann.

WUCHS

Mittelgrosser und mit zunehmendem Alter eher behäbig wachsender, sommergrüner Baum, der bis 25 m hoch und 18 m breit wird. Die Krone kann breitkegelige bis rundliche und im Alter hoch gewölbte Formen annehmen. Der Baum entwickelt sich meist kurz- oder mehrstämmig, häufig auch drehwüchsig, und bildet ein regelmässiges stabiles Herzwurzelsystem aus.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die eiförmigen bis länglich-elliptischen, am Rand unregelmässig doppelt gesägten, dunkelgrünen Blätter können 5–10 cm lang werden; sie sind wechselständig an den graubraunen Trieben angeordnet. Der zeitige Laubaustrieb ist herrlich frischgrün, und im Herbst färben sich die Blätter leuchtend gold- bis braungelb; oft bleiben die braun gewordenen Blätter bis zum Frühjahr an der Pflanze hängen und werden vom Neuaustrieb abgestossen.

Carpinus betulus ist einhäusig und blüht im Mai eher unscheinbar – ein klassischer Windbestäuber, wobei die weiblichen gelblich grünen Kätzchen rote Narben aufweisen. Die bis 15 cm langen, hängenden Flügelfrüchte erscheinen in dichten Trauben im September/Oktober, und die einzelnen ovalen Nussfrüchtchen weisen dreiteilige, gezähnte Flügel auf, die eine schraubenförmige Flugbahn beschreiben und durch den Wind verbreitet werden. Die silbergraue bis dunkelgraubraune Borke bleibt lange glatt, und im Alter bilden sich interessante, muskelähnliche Längswülste aus. Das Herzwurzelwerk kann sehr tief in den Boden reichen, und das weisse bis gelbliche Holz ist ebenso ungewöhnlich hart wie schwer (1 m3 = ca. 800 kg).

Allgemein ist die Hainbuche recht anpassungsfähig gegenüber unterschiedlichen Bodenverhältnissen und akzeptiert eine Bodenreaktion im mässig sauren bis alkalischen Bereich. Sie bevorzugt einen sonnigen bis absonnigen oder halbschattigen Standort, wächst bisweilen aber auch an schattigen Stellen, kahlt dann jedoch von innen und unten her aus. Der Boden sollte gut drainiert, aber frisch bis feucht und nahrhaft sein. Ein sandiger Lehmboden hat sich als optimal erwiesen. Hochsommerliche Trockenphasen werden schlecht ertragen, sodass die Pflanze leidet. Abstrahlungshitze, gerade in Strassennähe mit einer vorhergegangenen Streusalzbelastung des Bodens und eine mangelhafte Wasserversorgung sind Gift!

Essenz

Die ausgesprochen gut schnittverträgliche Hainbuche ist dank ihrer hohen Anpassungsfähigkeit eine enorm vielseitig einsetzbare Pflanze. Ob als Alleebaum, Heckenpflanze, Formschnittgehölz oder als Solitär – und nicht zuletzt als Kletterbaum in Siedlungen und Schulhöfen –, sie macht als heimische Gehölzart immer eine gute Figur! Der windresistente, in unseren Breiten gut winterharte Baum galt lange als nahezu frei von Krankheiten und Schädlingen. In den letzten Jahren hat der Befall mit Rindenkrebs (ausgelöst durch den holzzerstörenden Pilz Cytospora decipiens) gerade bei durch Hitze und Trockenheit geschwächten Bäumen zugenommen. Auch hält sie, sofern vital und am richtigen Standort gepflanzt, selbst die gröbsten Schnittmassnahmen – treffender als Verstümmelung bezeichnet – aus, ohne durch Fäulnis an Standfestigkeit einzubüssen. Das abgefallene Laub sollte man in den Rabatten belassen, da es die Bodenqualität verbessert.

Das schwere Holz ist sehr zäh und elastisch und gilt in vielen Regionen Europas als wichtigster Brennholzlieferant; im trockenen Zustand ist es jedoch schlecht spaltbar. Es wurde früher auch zur Herstellung von Zahnrädern, Dreschflegeln und Klavierhämmern benutzt. Das altdeutsche Wort «hanebüchen» – früher für grob, derb, klotzig, heute empörend, haarsträubend, skandalös – bezieht sich auf das Hainbuchenholz.

Carpinus betulus besitzt sowohl gestalterisch als auch ökologisch sehr wertvolle Eigenschaften und ist deshalb für unsere Gärten und Parkanlagen mit der Vielzahl an Sorten und Auslesen unentbehrlich. Mein Grossvater Max Lüscher hat, als er 1956 unseren Betrieb gründete, das Hainbuchenblatt zum Firmenlogo auserkoren. Seither ziert es grün auf weissem Grund unverändert unsere Geschäftspapiere, die Arbeitskleidung wie auch den Fuhrpark – dies nur als Randbemerkung und zum Verständnis meiner Begeisterung für dieses dankbare heimische und robuste Gehölz!

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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