Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Castanea sativa

Echte Kas­tanie | Edelkastanie | Esskastanie | Marrone | Marroni
 



Castanea sativa

Ein wichtiger «Brotbaum» – besonders im Tessin und im Bergell wie auch in Norditalien hat die in Selven angepflanzte Esskastanie die Bevölkerung in Notzeiten oft vor dem Hungertod gerettet. Die kohlehydratreichen Früchte sind sehr schmackhaft und auch für Diabetiker geeignet.

VERBREITUNG

Südeuropa, Südschweiz, Norditalien, Balkanhalbinsel, Türkei und Nord­afri­ka; bevorzugt in Wäldern auf durchlässigen, mässig trockenen bis frischen und schwach sauren Böden. Auf den britischen Inseln, Südskandinavien und Frankreich eingebürgert.

WUCHS

Mächtiger, breit ausladender, sommergrüner Baum, der bis 30 m hoch und 25 m breit werden kann und eine hoch gewölbte Krone ausbildet. Kann über 1000 Jahre alt werden.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die für diese Art typischen Blätter werden bis 20 cm lang und 8 cm breit, sind länglich-lanzettlich geformt und stehen wechselständig an den Trieben; ihr Rand ist grob gesägt, und die Oberseite weist eine dunkelgrüne und glänzende Färbung auf, während die hellere Unterseite zunächst spärlich behaart erscheint und später kahl wird. Die Herbstfärbung ist herrlich goldgelb. Die einhäusigen, im Juni/Juli erscheinenden Blüten sind eingeschlechtig verteilt, wobei die männlichen Blüten in 12–25 cm langen, aufrechten, grünlich weissen, duftenden Ähren erscheinen und die weiblichen, eher unscheinbaren Blüten an deren Basis stehen. Sie werden gern von Bienen, Hummeln, Faltern sowie zahlreichen weiteren Insekten besucht. Die bekannten essbaren, 2–3 cm grossen Nussfrüchte sind in grosse, stachelige Fruchtbecher eingebettet, die bei Reife aufspringen und die Nüsse freigeben.

Die jungen Triebe sind rotbraun bis olivgrün gefärbt und mit auffälligen rundlichen bis elliptischen, weisslichen Lentizellen versehen. Der anfänglich graue und glatte Stamm wird mit zunehmendem Alter graubraun, ist oft drehwüchsig, tief längsrissig gefurcht und mit spiraligen Leisten versehen. Das witterungsbeständige Holz besticht mit einem warmen, goldfarbenen Ton. Die kräftigen Wurzeln reichen tief und weit, anfänglich wird oft auch eine Pfahlwurzel ausgebildet.

Ein wintermilder, sonniger bis absonniger Standort ist am besten geeignet. Der Boden sollte nährstoffreich, mässig trocken bis frisch sowie gut durchlässig sein und eine schwach saure Reaktion aufweisen; ein neutraler Boden wird ebenfalls noch toleriert. Ist der Boden jedoch zu kalkhaltig oder nass, reagiert die Pflanze chlorotisch und kränkelt.

Essenz

Ein wichtiger «Brotbaum» – besonders im Tessin und im Bergell wie auch in Norditalien hat die in Selven angepflanzte Esskastanie die Bevölkerung in Notzeiten oft vor dem Hungertod gerettet. Die kohlehydratreichen Früchte sind sehr schmackhaft und auch für Diabetiker geeignet. Des Weiteren stellt der Kastanienhonig, der etwas dunkler und aromatischer ist als anderer Honig, einen willkommenen Zusatznutzen dar. Nördlich der Alpen wurde dieses Gehölz von den Römern angesiedelt, worauf die Artbezeichnung sativa (= angebaut) Bezug nimmt; es gibt Standorte, an denen sich die Kastanienbestände bis heute gehalten haben.

In der Südschweiz hat die Esskastanie die Bevölkerung nicht nur ernährt, sondern liefert auch wertvolles Bau- und Brennholz; besonders für Pergolen und zum Zaunbau wird sie sehr geschätzt, da ihr Holz zäh, witterungsbeständig und dauerhaft ist. Es muss aber frisch verarbeitet werden, weil es im trockenen Zustand sehr hart wird und kaum mehr genagelt werden kann.

Aktuell stellen der Kastanienkrebs und die Edelkastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) die grösste Bedrohung für diese Art dar, wobei Letztere mit Nützlingen bekämpft werden kann. Als einzeln stehender Parkbaum oder in grossflächigen Anlagen gruppenweise gepflanzt wie auch als hitzetoleranter Stadtbaum kann Castanea sativa überzeugen. Gern wird sie im Weinbauklima als Nusskultur im offenen Feld hochstämmig angebaut. Einmal eingewachsen und etabliert, stellen auch kältere Winter kein Problem dar und hochsommerliche Trockenphasen werden gut überstanden. In der Regel haben sich die mit 20–25 Jahren erstmals blühenden und fruchtenden Sämlinge (generative Vermehrung) als robuster erwiesen als die nachfolgend vorgestellten, vegetativ vermehrten Sorten.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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