Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Cotinus coggygria 

Perückenstrauch | Grüner Perückenstrauch | Venezianischer Sumach | Ungarisches Gelbholz | Europäischer Perückenstrauch




Cotinus coggygria

Diesem hitze- und trockenheitsresistenten Gehölz bereitet das Stadtklima keine Probleme, solange der Wurzelraum durchlässig, leicht durchwurzelbar und nicht zu schwer ist.

VERBREITUNG

In der Südschweiz (Tessin) sowie im Wallis, Südosteuropa bis Vorderasien; bevorzugt auf kalkhaltigen, felsigen Hängen, in lichten Wäldern und auf mageren Böden.

WUCHS

Sommergrüner Strauch oder kleiner Baum, der sehr vielgestaltig sein kann, meistens breit ausladend und in jungen Jahren etwas sparrig; bei alten Exemplaren können sich die Äste oder Stämme schleppenartig bis auf den Boden abstützen. Kann 3–5 m (6 m) hoch und ebenso breit werden.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die verkehrteiförmigen bis elliptischen, frischgrün gefärbten Blätter sind wechselständig an den braunen bis rötlich braunen, oft weisslich bereiften Trieben angeordnet; ihre Form kann jedoch stark variieren. Meistens bewegt sich die Blattgrösse zwischen 4 und 9 cm. Das auffallend spät austreibende, zarte Laub ist relativ dünn. Die spektakuläre Herbstfärbung kann von gelb über orange bis scharlachrot mit der gesamten Palette an warmen Farbtönen aufwarten.

Die gelblich grünen, eher unscheinbaren, 3–4 mm grossen Blüten erscheinen im Sommer in endständigen, bis 20 cm langen Rispen und werden gern von zahlreichen Insekten besucht. Deutlich auffälliger und Ursache der deutschen Namensbezeichnung sind die ab August/September erscheinenden perückenartigen Fruchtstände, die aus den seidig-fedrig behaarten Stielen der Blüten bestehen. Das Wurzelwerk ist recht dick und kann sich sowohl flach als auch in die Tiefe entwickeln, eine Fähigkeit, die Cotinus coggygria das Überleben auf felsigen Hängen ermöglicht.

Die jungen Triebe sind mit zahlreichen kleinen Korkwarzen bedeckt; die alte Borke ist klein gefeldert bis längsrissig und wirkt ausdrucksstark. Das bei Drechslern beliebte, hellgelbe, gerbstoffreiche Holz ist recht brüchig, was besonders bei frühem Schneefall im Herbst, wenn das Gehölz noch belaubt ist, zu Schäden führen kann. Alle Pflanzenteile riechen beim Zerschneiden oder Zerreiben würzig-aromatisch.

Ein sonniger, warmer und etwas geschützter Standort auf einem gut durchlässigen, vorzugsweise kalkhaltigen und eher nährstoffarmen, steinig-lehmigen Boden erfüllt die Bedürfnisse des Perückenstrauchs am besten. Eine Reaktion im neutralen bis alkalischen Bereich ist ideal.

Essenz

Diesem hitze- und trockenheitsresistenten Gehölz bereitet das Stadtklima keine Probleme, solange der Wurzelraum durchlässig, leicht durchwurzelbar und nicht zu schwer ist. Es passt hervorragend als Solitär- und Gruppengehölz in grössere Fels- und Steingärten im Regenschatten von Gebäuden, in Rabatten – auch mit Stauden unterpflanzt – wie auch in gemischte Blütenhecken oder in Gefässe und Tröge. Hin und wieder werden die Triebe welk, was meist auf eine Pilzerkrankung (Verticillium-Welke) schliessen lässt; besonders wenn die Pflanze zu nass steht, kann dieses Problem auftreten.

In kalten Wintern können die oberirdischen Pflanzenteile stark zurückfrieren. In der Regel treibt Cotinus coggygria im Frühjahr jedoch willig wieder durch. Ansonsten sind Schädlinge und Krankheiten eher selten ein Thema für dieses anspruchslose und gut schnittverträgliche Gehölz. Schnittmassnahmen sind jedoch nicht zwingend nötig, da es sich mit der Zeit gleichmässig und formschön aufbaut. Früher fand das gerbstoffhaltige Laub Verwendung in Gerbereien, und das Holz wurde zum Färben (gelb­orange) genutzt.

Der Perückenstrauch kann besonders im Alter interessante malerische Formen ausbilden, die die örtlichen Klimaverhältnisse und Gegebenheiten widerspiegeln. Selbst ist mir ein Standort auf einer Dachterrasse bekannt, wo ein Exemplar über 25 Jahre in einem Gefäss von 100 × 50 × 50 cm ohne jegliche Pflege wie Bewässerung, Dünger, frisches Substrat etc. recht zufrieden ausharrte, bis es einem Whirlpool weichen musste.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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