Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

Über die Suchfunktion oben rechts (versteckt hinter den drei Querstrichen) oder die Hashtags am Ende jedes Pflanzenporträts können gezielt Arten mit bestimmten Eigenschaften gefunden werden.

Gleditsia triacanthos

Dreidorniger Lederhülsenbaum | Falscher Christusdorn | Gleditschie | Lederhülsenbaum 




Gleditsia triacanthos

Besonders hoch punktet die Gleditschie mit ihrer grossen Toleranz gegenüber den speziellen Lebensbedingungen im städtischen Klima. So werden Trockenheit, Streusalz, Hundeurin und Luftverschmutzung (Smog) gut ertragen.

VERBREITUNG

Nordamerika; bevorzugt in Mischwäldern entlang von Gewässern auf frischen bis feuchten Böden. Besiedelt gelegentlich auch trockenere und nährstoffarme Böden in Hügellagen. Nach Europa um 1700 eingeführt.

WUCHS

Imposanter Baum mit einer unregelmässig aufgebauten und lockeren Krone. Die Hauptäste streben in jungen Jahren im Zickzack schräg aufwärts; im Alter stehen sie eher waagrecht und bilden eine malerische Schirmkrone. In der Höhe kann das Gehölz 12–25 m, in seiner Heimat auch 30 m, und in der Breite bis 15 m erreichen. Alte Exem­plare im Freistand können sogar breiter als hoch werden.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die sommergrünen Blätter sind einfach oder doppelt gefiedert und wechselständig an den meist rötlich braunen Trieben angeordnet. Die Fiederblätter bestehen aus 20 bis 30 länglich-lanzettlichen, bis 3 cm grossen, hellgrünen Blättchen. An den doppelt gefiederten Blättern sind etwa acht bis 14 Fiedern mit Blättchen angesetzt. Die Herbstfärbung erfolgt recht zeitig und leuchtet goldgelb.

Die grünlich weissen, polygamen oder eingeschlechtigen, zweihäusig verteilten und eher unscheinbaren, aber nektarreichen, süsslich duftenden Blüten erscheinen in 5–12 cm langen Trauben von Juni bis Juli und werden gern von Bienen beflogen. Die sichelartig gedrehten, ledrigen, dekorativen und 25–45 cm langen Fruchthülsen sind zuerst gelb, später dunkelbraun glänzend gefärbt; sie bleiben bis weit in oder sogar über den Winter am Baum hängen und wirken zierend. Die darin enthaltenen braunen Samen sind essbar, und der Nährwert entspricht etwa dem von Hafer.

Die oliv- bis rotbraunen Triebe sind häufig hin- und hergebogen (Zickzack) und nehmen im Alter eine graugrüne Färbung an; sie sind oft mit einfachen und verzweigten Dornen besetzt. Diese beeindruckenden Dornen können auch aus dem Stamm spries­sen und bis 20 cm lang werden.

Das Borkenbild der alten Bäume ist tiefrissig und graubraun; die Borke löst sich in langen, schmalen, schuppenartigen Platten ab. Zusammen mit den Dornen ergibt sich ein reizvolles Bild. Das Wurzelwerk ist wenig verzweigt und entwickelt sich sowohl in die Tiefe als auch in die Breite; die Wurzeln an sich sind dick und fleischig.

Ein sonniger bis absonniger Standort auf einem gut drainierten, warmen und «normalen» Gartenboden ist optimal. Der pH-Wert kann eine weite Am­pli­tude zwischen sauer bis stark alkalisch aufweisen. Insgesamt ist die Gleditschie sehr bodentolerant und anpassungsfähig. Sie versagt auch auf trockenen und mageren Böden nicht, nur allzu feuchte und mastige Böden sowie extrem windexponierte Lagen sind zu vermeiden, da das Gehölz etwas windbrüchig ist, besonders wenn es zu üppig mit Nährstoffen versorgt wird. Gelegentliche Überschwemmungen werden jedoch ertragen. In Nordamerika ein häufiger Uferbaum mit Pioniercharakter, der den grossen Flüssen folgt.

Essenz

Besonders hoch punktet die Gleditschie mit ihrer grossen Toleranz gegenüber den speziellen Lebensbedingungen im städtischen Klima. So werden Trockenheit, Streusalz, Hundeurin und Luftverschmutzung (Smog) gut ertragen. In der Jugend ist die Pflanze etwas frostempfindlich, einmal eingewachsen und eta­bliert, in unseren Breiten jedoch gut winterhart. Die starke Bedornung ist Fluch und Segen zugleich: Abgefallene Dornenspiesse können die Reifen von Fahrrädern pro­blem­los durchbohren; auch sollten sie besser nicht in Kinderhände gelangen.

Vom ökologischen Standpunkt her betrachtet – insbesondere was den Schutz von Singvogelnestern vor Katzen betrifft –, ist Gleditsia triacanthos aber äusserst wertvoll. Auch für Bienen und Vögel stellt sie eine reichhaltige Futterpflanze dar. Das Gehölz bleibt erstaunlicherweise trotz des wenig verzweigten Wurzelwerks auch im fortgeschrittenen Alter gut verpflanzbar. Ein wertvoller Stadtbaum für breite Grünstreifen, in Parkanlagen und Industriebrachen. Entlang von Strassen, Parkplätzen oder in Siedlungen sind die dornenlosen Formen vorzuziehen. In ihrer Heimat wird diese Art auch forstwirtschaftlich genutzt und aufgrund der dekorativen Struktur gern zu Bau- und Möbelholz verarbeitet.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


 ZURÜCK ZU: