Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».
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Hedera helix
Gewöhnlicher Efeu | Kleinblättriger Efeu

Dem Efeu wird nachgesagt, dass er Schäden anrichte bzw. Bäume zum Absterben bringe. Dieser schlechte Ruf ist aber nur bedingt richtig, denn Efeu ist kein Schmarotzer oder Würger und schädigt die Bäume nicht, an denen er emporklettert.
Im gesamten Verbreitungsraum der Rotbuche (Fagus sylvatica) anzutreffen, dringt aber auch noch weiter südlich vor. Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich von Europa bis zum Kaukasus; häufig als Kletter- oder Kriechpflanze in Wäldern, an Felsen und Mauern sowie an alten Bäumen. In südlichen Gebirgen bis auf 1800 m ü. M. aufsteigend, in den Alpen bis etwa 1400 m ü. M.
0,2–0,3 m hoher, kriechender, in der Altersform bis 2 m hoher oder mit Haftwurzeln bis 20 m (30 m) hoch kletternder, immergrüner Strauch.
Die Blätter sind wechselständig am Trieb angeordnet und sehr variabel in ihrer Gestalt; meistens sind sie jedoch drei- oder fünflappig, ledrig und dunkelgrün ausgebildet. Häufig zeichnet sich auf der Oberseite die helle Nervatur dekorativ sichtbar ab. Die Blätter der Altersform (Blühsprosse) sind ungelappt, oft herzförmig und glänzend dunkelgrün.
Die Pflanzen blühen erst ab dem achten bis zehnten Lebensjahr (dann oft als Sorte 'Arborescens' vegetativ vermehrt in Baumschulen zu finden) in Form von grüngelben, kugeligen Dolden von September bis Oktober. Die Blüten sind reich an Nektar und werden von Bienen, Fliegen, Käfern und Wespen gut besucht. Im folgenden Frühjahr reifen die erbsengrossen, violett- bis schwarzblauen Früchte, die für den Menschen schwach giftig sind, aber von Vögeln gern gefressen werden.
Der Gewöhnliche Efeu bildet ein dicht verzweigtes Herzwurzelsystem mit Arbeitsteilung aus: Die bis 1 cm langen Luft- oder Haftwurzeln sind negativ fototropisch, d. h. sie wachsen immer ins Dunkle und übernehmen den Halt bzw. die Verankerung der Pflanze, während die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen Aufgabe der Nährwurzeln ist. Junge Haftwurzeln können bei genügender Feuchtigkeit zu Adventivwurzeln mutieren und die Versorgung übernehmen.
Ein geschützter, absonniger bis schattiger Standort mit einer hohen Luftfeuchte ist in der Regel am besten geeignet. In wintermilden Gebieten oder bei ausreichendem Schutz vor Wintersonne und Bise, ist auch ein sonniger Standort möglich. An den Boden werden keine besonderen Ansprüche gestellt, jedoch wird ein nährstoffreicher, drainierter, aber frischer, sandig-humoser bis sandig-lehmiger Boden bevorzugt. Die Reaktion kann von mässig sauer bis mässig alkalisch eine recht weite Amplitude aufweisen.
Dem Efeu wird nachgesagt, dass er Schäden anrichte bzw. Bäume zum Absterben bringe. Dieser schlechte Ruf ist aber nur bedingt richtig, denn Efeu ist kein Schmarotzer oder Würger und schädigt die Bäume nicht, an denen er emporklettert. Der Widerstand, den seine immergrünen Blätter dem Wind oder dem Schnee bieten, können jedoch Astbruch oder gar ein Umstürzen des Baums verursachen. Diese Bäume würden meistens früher oder später sowieso umfallen, der Efeu beschleunigt diesen Vorgang nur.
Die Efeuwände bieten für zahlreiche Insekten, Vögel und Kleinsäuger wichtige Verstecke und Nistplätze. Es ist aber nicht ratsam, Efeu an Mauern mit Fugen zu pflanzen, denn die Wurzeln dringen auch in kleinste Risse ein. Beim Entfernen bleiben die Reste der Haftwurzeln sichtbar und können nur mit viel Aufwand entfernt werden. Anders sieht es bei Betonmauerwerk aus. Falls die Efeupflanzung langfristig bestehen bleiben kann – auch hier bleiben die Haftwurzelreste sichtbar –, bildet sie mit ihren Haftwurzeln einen gut 30–70 cm dichten Wind- und Wetterschutz, der das Raumklima positiv beeinflusst, da das dachziegelartig übereinanderliegende Laub Regenwasser ableitet und die Wände austrocknet. Vorsicht ist jedoch unterhalb des Dachs geboten, da Efeu die Ziegel anheben und beschädigen kann. Hier ist es sinnvoll, regelmässig einen Schnitt zur Begrenzung des Wachstums durchzuführen.
Efeu ist besonders in der Austriebsphase recht frostempfindlich und kann auch im ausgewachsenen Stadium in extrem kalten Wintern zurückfrieren. Insgesamt ist er aber sehr anpassungsfähig, langlebig und regenerationsfreudig. So sind 400 Jahre alte und an der Stammbasis fast 1 m dicke Exemplare bekannt. In der Medizin wird Hedera helix gegen Husten, Bronchitis und Asthma eingesetzt, und mit dem hohen Jodgehalt findet er auch bei einer Überfunktion der Schilddrüse Anwendung. In der Gartengestaltung ist Efeu unverzichtbar. So besiedelt er vollschattige Standorte unter Bäumen, wo sonst nichts wachsen würde, und gehört somit zu den pflegeleichtesten und anpassungsfähigsten Bodendeckern überhaupt.
Als Kletterstrauch bewächst er problemlos Bäume, Hauswände, Mauern und Zäune. Wurzeldruck, Stadtklima und hochsommerliche Hitzeperioden werden problemlos ertragen. Im Regenschatten und an warmen Wänden ist das Auftreten von Spinnmilben häufig zu beobachten.
Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.
Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.
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