Pflanze des Monats

Aus dem umfassenden Nachschlagewerk «Plantae» von Urs Lüscher stellen wir Ihnen jeden Monat eine besondere Pflanze vor. Es handelt sich um wenig bekannte Gehölze, die aus unserer Sicht mehr Aufmerksamkeit verdienen. Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie faszinierende neue Pflanzenarten.

Lagerstroemia indica

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Lagerstroemia indica 'Dynamite'

Diesem herrlichen Spätsommerblüher sind alle Reisenden, die in dieser Jahreszeit in der Südschweiz oder in Italien unterwegs sind, schon begegnet. Auch mit der Herbstfärbung oder im Winter mit dem Rindenschmuck ist die Lagerströmie eine Zierde – in geschützten und milden Gegenden auch nördlich der Alpen.

VERBREITUNG

China und Korea; in Japan, Indien, Australien und im südlichen Europa aber weitverbreitet und stellenweise eingebürgert. In Nordamerika besonders in den südlichen Staaten wie Florida, Texas und Kalifornien ein wichtiges Blütengehölz, das bevorzugt auf vollsonnigen Standorten und mineralischen, gut drainierten Böden wächst.

WUCHS

Malerischer, oft mehrstämmiger Strauch oder kleiner Baum von 5 bis 7 m (9 m) Höhe und 4–5 m Breite. Die Krone entwickelt sich in der Regel vasenförmig.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die sommergrünen Blätter sind meist gegenständig und fast sitzend an den Zweigen angeordnet; sie sind elliptisch-länglich, werden 3–6 cm lang und erinnern etwas an Ligusterblätter. Im Austrieb sind die Blätter bronzefarben, und die Herbstfärbung leuchtet, wenn ein mehrstündiger Kälteschock (Frost) eingetreten ist herrlich purpurrot.

Im Spätsommer (in der Regel ab Mitte August) entwickelt sich die zarte, krause Blüte in den Farben Rosa, Pink, Rot oder Weiss in lockeren, endständigen und 15–20 cm langen Rispen am diesjährigen Holz. Die jungen Zweige sind fast vierflügelkantig; die älteren Zweige wie auch der Stamm weisen eine rötlich braune, seidig zimtfarben glänzende und sich abschälende Rinde auf. Bisweilen bilden sich landkartenähnliche Muster auf den Stämmen, die sehr dekorativ wirken. Ein warmer, geschützter und vollsonniger Standort im wintermilden Klima (Weinbauklima) sowie ein gut drainierter, mineralischer Boden sind optimal.

An zu luftfeuchten Standorten gepflanzt, tritt gelegentlich Mehltaubefall auf, der mit den entsprechenden Mitteln bekämpft werden kann. Wenn die klimatischen Bedingungen ein sinnvolles Auspflanzen nicht zulassen, kann die Lagerströmie als eine reich blühende, langlebige und leicht zu kultivierende Kübelpflanze im Kalthaus frostfrei überwintert werden. Die Pflanzen sollten dann aber unbedingt früh ausgeräumt werden, da die Blätter unter Gewächshausbedingungen gern vom Echten Mehltau heimgesucht werden.

Essenz

Diesem herrlichen Spätsommerblüher sind alle Reisenden, die in dieser Jahreszeit in der Südschweiz oder in Italien unterwegs sind, schon begegnet. Auch mit der Herbstfärbung oder im Winter mit dem Rindenschmuck ist die Lagerströmie eine Zierde – in geschützten und milden Gegenden auch nördlich der Alpen.

Ob als Hochstamm zur Begrünung von Quartierstrassen, im öffentlichen Grünraum oder als mehrstämmiger Solitär im Privatgarten wie auch als Kübelpflanze, macht die Lagerströmie Eindruck. Bei ausgepflanzten Exemplaren sind bis etwa – 12 Grad keine Frostschäden zu erwarten, sofern die Kälteperiode nicht zu lang anhält und die Pflanze windgeschützt steht. Bei tiefer fallenden Temperaturen friert das Gehölz zurück. Ein Winterschutz mit einer Mulchschicht und ein Abdecken mit Tannenreisig sind nördlich der Alpen auch bei einem optimal gewählten Standort zumindest in den ersten Jahren sinnvoll.

Wir selbst haben Exemplare in unserer Baumschule stehen, die im extrem kalten Februar 2012 (mit Temperaturen von bis zu – 22 Grad über 2 Wochen) bis zur Basis zurückgefroren sind, dann aber aus dem Wurzelstock wieder ausgetrieben haben und sich innert 3 Jahren zu einem neuen Strauch aufgebaut haben. Auch diese komplett zurückgefrorenen Pflanzen haben noch im selben Jahr von der Basis her ausgeschlagen und an den Zweigspitzen der neuen Triebe geblüht.

Ein jährlicher, starker Rückschnitt ist bei diesem am neuen Holz blühenden Strauch oder Kleinbaum im zeitigen Frühjahr in jedem Fall sinnvoll. Im Süden Europas sieht man gelegentlich auch einen Rückschnitt auf «Köpfe», wie dies bei Platanen oder Kopfweiden üblich ist. Dies entspricht aber nicht dem natürlichen Habitus. Schöner ist ein Rückschnitt unter Berücksichtigung der mehrstämmigen und natürlichen Wuchsform.

Im U.S. National Arboretum in Washington, D.C., sind in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl an robusten und winterharten, interessant blühenden Hy­brid­sorten selektiert worden. Sie wurden meistens nach Stämmen der First Nations People benannt und haben sich nicht zuletzt auch dadurch schnell einen Namen als «einheimisches» Gehölz für Anpflanzungen in heissen, ariden Gebieten und für die Verwendung im Garten gemacht. Obwohl in den USA weitverbreitet, sind sie in Europa noch eher selten in Kultur zu finden. Weitere Formen und Hybriden haben sich mit ihrem kräftigen Laub, der relativ hohen Resistenz gegen Mehltau, den grossen Blüten und der recht hohen Frosttoleranz als gartenwürdig erwiesen – einen geeigneten Standort vorausgesetzt. Besonders die Zwergsorten besitzen eine ausgeprägte Frost­resistenz.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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