Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».
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Mespilus germanica
Echte Mispel | Mispel

Ein interessanter, robuster und bezüglich Habitus, Blüte und Herbstfärbung attraktiver Kleinbaum, der leider etwas in Vergessenheit geraten war, aber als frosthartes und hitzeverträgliches wie auch stadtklimafestes Wildobst- und Vogelnährgehölz im Moment eine Art Renaissance feiert.
Ursprünglich in Südeuropa, dem Kaukasus und im Norden Irans beheimatet. Vermutlich durch die Römer nach Mittel- und Nordeuropa gebracht und heute verwildert an Waldrändern und in Hecken an sonnigen und warmen Lagen anzutreffen.
Sparrig und breit aufrecht wachsender Strauch oder kleiner Baum mit malerisch gedrehten oder gebogenen Ästen. Wenn nicht hochstämmig gezogen, entwickelt sich Mespilus germanica kurzstämmig. Entwickelt sich eher langsam, und in der Höhe werden 3–6 m, in der Breite bis 7 m (8 m) erreicht.
Die sommergrünen Blätter sind oval bis lanzettlich oder länglich-eiförmig, stehen wechselständig an den Trieben und werden 7–13 cm lang sowie bis 5 cm breit; ihre Oberseite ist stumpfgrün bis leicht glänzend und kaum behaart, die Unterseite hingegen hellgrün und bleibend behaart. Die dekorative Herbstfärbung leuchtet gelb bis gelborange und kommt besonders gut bei Sonneneinstrahlung zur Geltung. Von Mai bis Juni erscheinen die einzeln stehenden, 3–4,5 cm grossen weissen Blüten, die gern von Bienen, Hummeln, Faltern wie auch von zahlreichen weiteren Insekten besucht werden.
Die birnenförmigen, stark abgeplatteten, bis 5 cm grossen Früchte sind bronzefarben bis bräunlich und weisen eine filzige Schale auf – sie erinnern etwas an birnenartige Hagebutten. Erst nach den ersten Frösten bzw. nach einer Lagerzeit werden sie geniessbar (im unreifen Zustand stark adstringierend). Durch das Lagern werden die Früchte mürbe, Tannine sowie Fruchtsäuren werden abgebaut und der Zuckergehalt steigt.
Mespilus germanica bildet ein tief gehendes Wurzelsystem aus. Die jungen Triebe sind graugrünfilzig, während die ältere Borke silbergrau bis grauschwarz glänzt. Die Stämme bleiben lange glatt und werden erst im Alter rissig. Die Wildform bildet Dornen aus. Ein warmer, etwas geschützter und sonniger bis halbschattiger Standort behagt der Mispel am besten. Der Boden sollte nährstoffreich, durchlässig und gern auch steinig-lehmig sein. Ein pH-Wert im neutralen bis alkalischen Bereich hat sich als optimal erwiesen, und warme Kalkböden werden bevorzugt.
Ein interessanter, robuster und bezüglich Habitus, Blüte und Herbstfärbung attraktiver Kleinbaum, der leider etwas in Vergessenheit geraten war, aber als frosthartes und hitzeverträgliches wie auch stadtklimafestes Wildobst- und Vogelnährgehölz im Moment eine Art Renaissance feiert. In der Praxis wird Mespilus germanica häufig auf Crataegus laevigata veredelt, um grossfruchtige Auslesen bzw. Selektionen weiterzuvermehren. Kultiviert werden in europäischen Baumschulen verschiedene Typen bzw. Sorten wie z. B. 'Bredase Reus', 'Kernlose', 'Macrocarpa' oder 'Westerveld'. In Wildhecken eignet sich aber am besten die aus Samen gezogene, oft auch etwas dornige Wildform.
Die Mispel gilt als mässig anfällig für die Bakterienkrankheit Feuerbrand (Erwinia amylovora). Noch vor 150 Jahren war in fast jedem Bauerngarten – ob als Spalier oder frei stehend – ein Exemplar. Durch die Kolonialisierung und den damit verbundenen internationalen Handel bzw. durch das Aufkommen von schmackhafteren Obstsorten wie z. B. Bananen und Zitrusfrüchten kam die erst im überreifen Zustand geniessbare Mispel ins Hintertreffen.
Die Früchte können direkt gegessen oder zu Gelee, Saft, Obstwein und Schnaps verarbeitet werden. Das Gehölz ist gut schnittverträglich, und das Holz ist ausgesprochen hart sowie zäh, sodass es sich gut drechseln oder polieren lässt. Die ökologisch wertvolle Mispel gehört am richtigen Standort in jeden grösseren Nutzgarten und in jede Wildhecke.
Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.
Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.
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