Pflanze des Monats

Aus dem umfassenden Nachschlagewerk «Plantae» von Urs Lüscher stellen wir Ihnen jeden Monat eine besondere Pflanze vor. Es handelt sich um wenig bekannte Gehölze, die aus unserer Sicht mehr Aufmerksamkeit verdienen. Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie faszinierende neue Pflanzenarten.

Nyssa sylvatica

Nym­phen­baum | Tupelobaum | Wald­tupelobaum




Nyssa sylvatica

Ein herrlicher Herbstfärber, gut frosthart und robust – einen geeigneten Boden vorausgesetzt. Aufgrund der Pfahlwurzel ist das Verpflanzen nicht ganz einfach und sollte von Vorteil im Frühjahr zu Beginn der Wachstumsphase erfolgen.

VERBREITUNG

Im Osten Nordamerikas bis Mexiko; bevorzugt in Wäldern auf feuchten, sauren Böden und in Sumpfgebieten vom Flach- bis ins Bergland. Besiedelt gelegentlich auch trockenere Hänge. Wurde bereits um 1750 nach England eingeführt.

WUCHS

Mittelhoher Baum mit einer schmalen, kegelförmigen bis unregelmässig flachrunden und recht transparenten Krone. Die Äste sind oft horizontal abstehend, und die Zweige hängen im äusseren Kronenbereich über. Entwickelt sich sowohl ein- als auch mehrstämmig. In seiner Heimat sind 25–30 m hohe Exem­pla­re keine Seltenheit; in unseren Breiten werden in der Regel 10–15 m (18 m) in der Höhe und bis 10 m (12 m) in der Breite erreicht. Nyssa sylvatica wächst eher langsam.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die sommergrünen Blätter sind meist verkehrteiförmig bis elliptisch und wechselständig angeordnet; sie werden 5–15 cm lang,  sind zugespitzt oder stumpf und an der Basis meistens keilförmig, können aber auch am selben Baum recht unterschiedlich geformt sein. Die Blattoberseite ist glänzend grün, die Unterseite bläulich grün.

Die Herbstfärbung ist spektakulär und kann zwischen gelb und scharlachrot variieren, was u. a. vom pH-Wert des Bodens abhängt. Als Faustregel gilt: Je saurer der Boden, desto röter die Herbstfärbung. Von Mai bis Juni erscheinen die grünlichen, eher unscheinbaren Blüten, die aber trotzdem Bienen anlocken und einen vorzüglich schmeckenden Honig abgeben. Ab Oktober reifen die blauschwarzen, bis 1,2 cm langen, eiförmigen Früchte. Sie werden in Nordamerika als Wildobst (Tupelobeeren) zu Marmelade und Saft verarbeitet. Die jungen Triebe sind hellbraun. Mit fortschreitendem Alter entwickelt sich die graue Borke, die längsrissige Furchen aufweist und zu rechteckigen Platten aufreissen kann.

Das zähe und widerstandsfähige Holz hält Salzwasser lange stand und wird für Rinnen, Flaschenzugrollen und Werkzeuggriffe sowie Ruder verwendet. Der Waldtupelobaum bildet ein tief gehendes Pfahlwurzelsystem aus, das empfindlich auf Verletzungen reagiert. Dies gestaltet das Umpflanzen recht schwierig: es muss von jungen Jahren an in der Baumschule fachgerecht durchgeführt werden. Ein sonniger bis halbschattiger Standort auf einem lockeren, tiefgründigen, frischen bis feuchten und leicht sauren bis sauren Boden (Kalk meidend) ist optimal. Auf zu kalkhaltige Böden bzw. zu hohe pH-Werte reagiert das recht schattentolerante Gehölz mit Blattchlorosen und Kümmerwuchs.

Essenz

Ein herrlicher Herbstfärber, gut frosthart und robust – einen geeigneten Boden vorausgesetzt. Aufgrund der Pfahlwurzel ist das Verpflanzen nicht ganz einfach und sollte von Vorteil im Frühjahr zu Beginn der Wachstumsphase erfolgen. Temporäre Staunässe oder kurzfristige Überflutung wird problemlos ertragen. Ein interessanter Baum, der sowohl ein- als auch mehrstämmig gepflanzt in Garten- und Parkanlagen wie auch am Ufer von Gewässern eine gute Wirkung erzielt. Schädlinge und Krankheiten sind so gut wie kein Thema.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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