Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».
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Parrotia persica
Eisenholz | Eisenholzbaum | Parrotie | Persische Buche

Eine äusserst vielseitig in Garten- und Parkanlagen verwendbare Pflanze. Ob als repräsentatives Solitär- oder schirmförmig hochgeastetes Gehölz, als Hochstamm, in Gruppen oder sogar als streng geschnittener Heckenkörper eingesetzt, Parrotia persica überzeugt!
Vorderasien, ursprünglich im Nordiran sowie in Aserbaidschan; bevorzugt in frischen bis feuchten Wäldern wie auch im Unterholz der Wälder, die südlich des kaspischen Meeres liegen, zu finden. Diese Gattung wurde zu Ehren des deutsch-russischen Arztes und Botanikers Johann Jakob Friedrich Wilhelm Parrot (1792–1841) nach ihm benannt. In Europa wird Parrotia persica seit etwa 1840 kultiviert.
Dieser Kleinbaum oder Grossstrauch kann 7–13 m, in seiner Heimat auch bis 20 m hoch und im Alter oft deutlich breiter als hoch werden. Der Habitus kann sehr vielgestaltig sein: oft mehrstämmig und mit breit trichterförmig abstehenden Hauptästen sowie weit ausladenden Seitenästen, die im Alter eine schirmförmige Krone bilden; häufig sind aber auch strauchförmige Exemplare, die ein nahezu undurchdringliches Dickicht bilden, oder einstämmige Individuen anzutreffen.
Die sommergrünen, länglichen bis verkehrteiförmigen, etwas ledrigen Blätter werden bis 15 cm lang sowie 6 cm breit und sind wechselständig an den Trieben angeordnet; sie weisen bis acht Adernpaare auf. Die Blattspreite ist im vorderen Teil abgerundet und verschmälert sich bereits vor der Mitte zur Basis hin. Der Blattstiel ist recht kurz und misst oft weniger als 1 cm. Der Blattrand ist gewellt und in der oberen Hälfte häufig bogenförmig gezähnt. Im Austrieb sind die Blätter oft rötlich gerändert und nehmen im Sommer eine dunkelgrüne Färbung an. Die Blattunterseite bleibt heller und ist spärlich behaart. Die lang anhaltende Herbstfärbung ist äusserst spektakulär: So zieren die Blätter oft mehrfarbig, in allen warmen Farbtönen von gelb über rosarot bis orange und purpur- oder scharlachrot bis violett, dieses interessante Gehölz.
Vor dem Blattaustrieb im März erscheinen die zahlreichen kleinen Blüten als «Köpfchen» mit leuchtend roten Staubblättern auf filzigen, sternförmigen Hochblättern; die Blüten- oder Kronblätter fehlen. Die eher unscheinbaren Früchte sind als ca. 1 cm grosse, zweiklappige und verholzende Kapseln ausgebildet. Das Wurzelwerk verzweigt sich gut und entwickelt sich eher flach. Die jungen Triebe sind olivbraun, kahl und weisen helle Lentizellen auf. Im Alter ist die interessante und dekorative Borke oft landkartenartig gefleckt und blättert (ähnlich wie bei der Platane) ab.
Das schwere Holz ist sehr hart – daher die Bezeichnung Eisenholz – und bei Drechslern wie auch bei Tischlern beliebt. Es ist so schwer, dass es im Wasser sinkt. Das robuste Gehölz weist eine breite Standort- und Bodenamplitude auf. Am schönsten entwickelt sich Parrotia persica aber an einem warmen, sonnigen bis absonnigen oder halbschattigen Standort (je weniger Sonne zur Verfügung steht, desto weniger interessant ist die Herbstfärbung ausgebildet), auf einem frischen bis feuchten, tiefgründigen, nahrhaften und gut durchlässigen Lehmboden. Es werden schwach saure bis alkalische Bodentypen akzeptiert. Gerade diese ungewöhnlich hohe Kalktoleranz ist für ein Mitglied der Hamamelisgewächse eher ungewöhnlich.
In der Jugend- bzw. Anwachsphase oder in exponierten Lagen sowie in Gefässen ist Parrotia persica etwas frostgefährdet. Im Februar 2012, als wir in unserer Baumschule während knapp 2 Wochen ein Temperaturminimum von bis –20 Grad hatten, sind uns viele Parrotia persica-Heckenpflanzen, die in 7,5-Liter-Gefässen standen, erfroren. Sie trieben im Frühjahr nochmals schwach aus, kollabierten dann aber wegen der Wurzelschäden. Einmal im Boden ausgepflanzt und etabliert, ist die Persische Buche in unseren Breiten jedoch gut frosthart.
Eine äusserst vielseitig in Garten- und Parkanlagen verwendbare Pflanze. Ob als repräsentatives Solitär- oder schirmförmig hochgeastetes Gehölz, als Hochstamm, in Gruppen oder sogar als streng geschnittener Heckenkörper eingesetzt, Parrotia persica überzeugt! Nicht zuletzt aufgrund des robusten Wesens – hohe Schnitt- und Stadtklimaverträglichkeit sowie kaum Schädlings- oder Krankheitsbefall, auch Schneebruch ist selten ein Thema – und des hohen Zierwertes – Herbstfärbung, malerischer Wuchs und interessante Borke – hat diese Gattung den Siegeszug durch unsere Gärten und Parkanlagen schon länger angetreten.
Das Eisenholz ist recht konkurrenzstark und kann sich auch in gemischten Pflanzungen behaupten. Ebenso werden Einpflasterungen gut ertragen und erfreuen das Auge des Ordnung liebenden Gestalters, auch wenn mir als Baumschulgärtner die allzu häufige Praxis der bis fast zum Stammansatz ausgeführten Strassenbauarbeiten eher ein Dorn im Auge ist. Erstaunlicherweise befindet sich aber, trotz der weiten Verbreitung dieser empfehlenswerten Gattung, nur eine geringe Anzahl von Sorten in gärtnerischer Kultur. Die gartenwürdigsten werden im Folgenden vorgestellt.
Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.
Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.
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