Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Pinus sylvestris

Föhre | Kiefer | Waldföhre | Waldkiefer




Pinus sylvestris

Pinus sylvestris ist dank der warmen orangebraunen Farbtöne der Stämme und der Äste, zusammen mit den oft malerischen Formen, eine absolute Augenweide; und aufgrund der vielen Wuchsformen wie auch des robusten Wesens zudem ein äusserst vielseitig verwendbares Gehölz, dessen Spektrum vom Bonsai in der flachen Schale bis zum hochwachsenden, forstwirtschaftlich interessanten Baum reicht.

VERBREITUNG

Von Westeuropa (Schottland) bis Ostasien (Amurgebiet) weitverbreitet; in Nordamerika eingebürgert. Kann von Meereshöhe (z. B. Skandinavien) bis in den Alpen auf knapp 1700 m ü. M. aufsteigen, im Val Poschiavo sogar bis auf über 2000 m ü. M. anzutreffen.

WUCHS

In Abhängigkeit vom Standort bzw. den vorherrschenden Klimabedingungen ein hoher Baum mit einer locker kegelförmigen, im Alter oft etwas unregelmässigen oder einseitigen bzw. schirmförmigen Krone. In der Höhe kann er 15–35 m (45 m) erreichen. Pinus sylvestris bildet sehr variable Formen aus: So sind extrem gerade und hochschäftige Exemplare genauso typisch für die Art wie knorrige oder windschiefe und malerisch-drehwüchsige Individuen; sogar mehrstämmige oder eher rundliche bis flach wachsende Formen sind regelmässig anzutreffen. Dieses Gehölz kann bis 600 Jahre alt werden.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die zu zweit erscheinenden, blau- oder graugrünen Nadeln werden 3–7 cm lang und 1,5–2 mm breit. Sie sind recht steif, deutlich gedreht sowie zugespitzt; ihre Lebensdauer an den Zweigen beträgt 2–4 Jahre. Die bleibenden, grauen Nadelscheiden werden 0,6–1 cm lang. Im Mai erscheinen die männlichen und weiblichen Blüten getrennt auf derselben Pflanze (einhäusig), und die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Die ei- bis kegelförmigen Zapfen werden 3–8 cm lang und bis 3,5 cm breit; sie weisen eine gräulich braune Färbung auf. Die rotbraun geflügelten Samen werden 3–4 mm lang. Je nach Bodentyp entwickelt sich das Wurzelsystem flach (auf moorigen bzw. grundwassernahen Böden) oder mit einer typischen Pfahlwurzel und kräftigen Seitenwurzeln (auf tiefgründigen Böden).

Die Borke der jungen Triebe ist charakteristisch ­orange bis ockerbraun glänzend und schält sich in papierartigen, kurzen Streifen bzw. in Schuppen ab; die der älteren Stämme ist attraktiv graubraun gefurcht und im Anschnitt rotbraun. Im Kronenbereich bleibt die Borke auch im Alter herrlich fuchsrot bis orangebraun leuchtend (Spiegelrinde), was hervorragend mit der bläulich grünen Nadelfärbung harmoniert.

Ein sonniger bis absonniger Standort auf einem tiefgründigen, frischen und leicht sauren Boden ist optimal. Insgesamt ist die Waldkiefer sehr genügsam und weist eine weite Standort­amplitude auf. Hitze, Trockenheit und starke Fröste werden klaglos toleriert. Auf schweren Nassschnee und übermässige Streusalzbelastung reagiert Pinus sylvestris jedoch empfindlich. Durch den Astbruch bei Nassschnee wird das Gehölz meistens nur temporär geschädigt und erholt sich in den Folgejahren wieder bzw. dankt die Geduld dem Besitzer mit einem noch knorrigeren Erscheinungsbild.

Essenz

Pinus sylvestris ist dank der warmen orangebraunen Farbtöne der Stämme und der Äste, zusammen mit den oft malerischen Formen, eine absolute Augenweide; und aufgrund der vielen Wuchsformen wie auch des robusten Wesens zudem ein äusserst vielseitig verwendbares Gehölz, dessen Spektrum vom Bonsai in der flachen Schale bis zum hochwachsenden, forstwirtschaftlich interessanten Baum reicht.

Das Holz ist übrigens hellgelb, oft stark gemasert und dank des hohen Harzanteils recht witterungsbeständig. Als Bau- und Möbelholz erfreut es sich einer hohen Beliebtheit. Das heimische und bewährte Nadelgehölz wird seine positive Wirkung in Gärten und Parkanlagen wie auch in der freien Landschaft, als Solitärbaum und in Gruppen, ja sogar waldartig, nicht verfehlen. Auch als Schattenbaum, bspw. im Moorbeet oder auf weiten Rasenflächen, ist Pinus sylvestris vorzüglich geeignet und mutet genauso authentisch an in der Kombination mit Natursteinen (Felsgärten) oder in Wassernähe. Auch in kleineren Gärten kann Pinus sylvestris problemlos gepflanzt und durch Pinzieren (Einkürzen) der jungen Triebe mit dem Daumen und Zeigefinger im Mai in überschaubarer Höhe gehalten werden.

Neben der reinen Art werden in Baumschulen häufig auch Selektionen bzw. Sorten kultiviert, die sich im Habitus wie auch in Färbung und Textur der Nadeln beträchtlich voneinander unterscheiden und in den nachfolgenden Texten beschrieben werden. Schädlinge und Krankheiten wie z. B. die Föhrenschütte oder der Föhrentriebwickler können sowohl bei der Art als auch bei den Gartenformen auftreten, erfordern aber nur selten einen Einsatz mit chemischen Pflanzenschutzmitteln. Einmal am Standort etabliert, kann man die Kiefer als äusserst dankbar und robust bezeichnen. Pinus sylvestris wäre sicher auf der Must-have-Liste, wenn man sich als Gartenarchitekt auf eine bestimmte Anzahl von Gehölzen beschränken müsste.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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