Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Platanus x hispanica

Ahornblättrige Platane | Bastard-Platane | Gemeine Pla­tane | Platane



Platanus x hispanica

Ein Wärme liebender Baum, der bestens mit dem innerstädtischen Klima wie auch den damit verbundenen Immissionen zurechtkommt und deshalb häufig als Strassenbaum anzutreffen ist. Auch als imposanter Parkbaum oder auf Liegewiesen am See gehört die Platane zum vertrauten Bild.

VERBREITUNG

Kreuzungsprodukt zwischen der Westlichen Platane und der Morgenländischen Platane bzw. den beiden Arten P. occidentalis × P. orientalis. Der genaue Ursprung bzw. die Herkunft ist unklar; man vermutet die iberische Halbinsel oder England. Sicher ist aber, dass diese Kreuzung bereits vor 1700 existierte und seither in Baumschulen kultiviert wird. Auch in der freien Natur oft an Flussufern bzw. auf feuchten und nahrhaften Böden anzutreffen.

WUCHS

Grosser, stattlicher und schnell wachsender Baum von 20 bis 35 m Höhe und einem oft bis zur Spitze hin durchgehenden Stamm; gelegentlich auch mehr stämmig. Im Alter ist die Krone ausladend bis rundlich geformt, und die starken Äste stehen oft in einem steilen Winkel zum Stamm. Im unteren Kronenbereich hängen die Zweige über.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die recht grossen (15–25 cm) Blätter sind drei- bis fünflappig (seltener siebenlappig). Die einzelnen Lappen sind mehr oder weniger dreieckig; sie erinnern etwas an den Spitzahorn (Acer platanoides) – worauf sich auch der deutsche Trivialname bezieht. Im Gesamtumriss sind die Blätter nahezu rundlich, und die Stiele werden zwischen 3 und 10 cm lang. Die Blattoberseite ist matt oder glänzend dunkelgrün, während die Blattunterseite deutlich heller erscheint. Im und nach dem Austrieb sind die Blätter dicht behaart, später werden sie kahl. Die unscheinbaren, gelblich grünen Blütenköpfchen hängen meistens paarig oder einzeln bis zu dritt an langen Stielen und erscheinen mit den Blättern. Später reifen die stacheligen bzw. dicht borstigen, etwa 2,5 cm dicken und rundlichen Früchte; oft hängen sie vom Sommer bis zum folgenden Frühjahr wie kleine Kugeln an den Bäumen. Besonders attraktiv ist die landkartenartige Musterung der Stämme bzw. die hellbraune bis gelblich grüne Borke, die sich in grossen Platten vom Stamm löst und so die darunterliegenden farblich unterschiedlichen Schichten zum Vorschein bringt.

Die Platane bildet ein Herzwurzelsystem aus. Die Hauptwurzeln reichen tief und verzweigen sich gut; die flach liegenden Hauptseitenwurzeln besitzen viel Energie und heben Asphalt- oder Verbundsteinbeläge ohne Weiteres an. Eine der wenigen Pflanzen, die eine Einpflasterung, ja sogar ein Umschliessen mit Asphalt überleben können. Ein warmer, sonniger bis absonniger Standort auf einem kultivierten Gartenboden ist für die robuste Platane optimal. Die Bodenansprüche sind wirklich bescheiden: Sie gedeiht sowohl auf trockenen Böden wie auch an zeitweilig überfluteten Standorten. Ein neutraler Boden wird bevorzugt, jedoch werden auch schwach saure oder alkalische Bodentypen toleriert. Neben den im Folgenden beschriebenen Sorten werden auch verschiedene Typen von Platanus × hispanica in Baumschulen kultiviert, die sich neben äusseren Merkmalen auch betreffend Winterhärte voneinan­der unterscheiden.

Essenz

Ein Wärme liebender Baum, der bestens mit dem innerstädtischen Klima wie auch den damit verbundenen Immissionen zurechtkommt und deshalb häufig als Strassenbaum anzutreffen ist. Auch als imposanter Parkbaum oder auf Liegewiesen am See gehört die Platane zum vertrauten Bild. Als Promenadenbaum hat die Platane v. a. in südlicheren Ländern eine grosse Tradition. Als dachförmig gezogener Schattenbaum findet sie auch in kleineren Gärten ihren Platz – sie muss dann aber jährlich in Form geschnitten werden. Schnittmassnahmen, auch ins alte Holz, werden gut ertragen.

Die Platane steckt die in der Stadt leider häufig auftretenden  Anfahrschäden relativ unbeeindruckt weg. In den letzten Jahren sind aber die folgenden Pilzkrankheiten zu einem Thema geworden: Gloeosporium nervisequum, ein Pilz, der die austreibenden Blätter befällt und diese mitunter komplett abfallen lässt; die zweite Generation Blätter ist jedoch meistens gesund, und diese – auch als Blattbräune bezeichnete – Pilzkrankheit ist in der Regel nicht lebensbedrohend für die Pflanze. Eine weitere Pilzkrankheit, verursacht durch Splanchnonema platani, besser bekannt als Massariakrankheit, erzeugt Totholzbildung, und grössere Astpartien können in kurzer Zeit absterben bzw. sich zersetzen und ohne Vorwarnung abbrechen. Der Absterbeprozess kann selbst bei beindicken Ästen sehr rasch verlaufen (wenige Monate). Diese latente Bruchgefahr ist gerade in bewohnten Gebieten nicht zu unterschätzen und erfordert eine ständige genaue Kontrolle, da die befallenen Stellen oft kaum zu erkennen sind. Hitze und Trockenheit fördert die Entwicklung des Pilzes. Massaria schwächt die Platanen aber meistens nur, selten gehen die Gehölze daran ein. Typisch ist eine Habitusveränderung, d. h. die Pflanzen werden besonders im unteren Kronenbereich sehr licht. 

Des Weiteren stellt der für die Platane oft tödlich verlaufende Platanenkrebs, durch Ceratocystis fimbriata f. platani (syn. Ceratocystis platani) verursacht, eine Gefahr dar. Diese Gefässkrankheit wird auch als Platanenwelke bezeichnet und wurde 1929 erstmals in den USA entdeckt. Später hat sich der Pilz auch in Frankreich (1945), Spanien und Italien sowie 1986 in der Südschweiz (Tessin) und in Genf (2001) ausgebreitet. In der Schweiz ist die Krankheit meldepflichtig (Kantonaler Pflanzenschutzdienst). Die Hauptausbreitung des Platanenkrebses erfolgt durch Schnittwerkzeuge (Verschleppung), deshalb ist beim Platanenschnitt auf eine strikte Hygiene (Desinfektion) der Scheren und Sägen zu achten. Ausserdem sollten Schnittarbeiten nur bei trockener Witterung und kühlen Temperaturen (unter + 10 Grad) ausgeführt werden. Die erwähnten Pilzkrankheiten sollen aber die zahlreichen positiven Vorzüge der Platane nicht in den Schatten stellen.

Vielmehr gilt es zu überlegen ob es weiterhin sinnvoll ist, die Platane als Monokultur im grossen Stil in unseren Städten als Alleebaum zu pflanzen. Obwohl aus städteplanerischer Sicht solche Stras­senbegleiter sicher grosszügig und attraktiv wirken, öffnet ihre Konzentration einer Krankheit natürlich Tür und Tor.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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