Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Prunus lusitanica

Iberi­sche Lorbeer­kirsche | Portugiesischer Kirsch­lorbeer | Portugiesische Lorbeerkirsche




Prunus lusitanica

Ein äusserst vielseitig verwendbares Solitär-, Gruppen- oder Heckengehölz, das aber auch als Formschnitt (Kugel, Kegel, Stämmchen etc.) oder als mehrstämmiger, aufgeasteter und schirmförmig geschnittener, robuster Kleinbaum eine gute Figur macht.

VERBREITUNG

Ursprünglich in Portugal, Spanien und Frankreich (kleinflächig in den Pyrenäen; oft mit Wacholder, Juniperus, vergesellschaftet), hauptsächlich in frischfeuchten (Lorbeer)wäldern und an deren Rändern sowie in schattigen Schluchten heimisch.

WUCHS

4–7 m (in seiner Heimat bis 20 m) hoch und im Alter oft ebenso breit werdender, immergrüner Grossstrauch oder meist mehrstämmiger Kleinbaum mit einer besonders im Alter malerisch ausgebildeten Kronenform. In jungen Jahren ist die Pflanze in der Regel kompakt, breit kegelförmig und geschlossen aufgebaut, was sie als Sichtschutz prädestiniert.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die etwas ledrigen Blätter sind elliptisch bis eiförmig, werden 6–12 cm lang und bis 5 cm breit; sie enden zugespitzt und sind wechselständig an den Trieben angeordnet. Der Rand ist gesägt (mit flachen, stumpfen Zähnen). Die Blattbasis ist abgerundet, und der rötliche Blattstiel kann bis 3 cm lang werden. Die Blattoberseite ist dunkelgrün glänzend, die Unterseite deutlich heller. Die weissen, intensiv duftenden Blüten erscheinen in 12–18 cm (23 cm) langen Trauben im Mai/Juni und werden gern von Bienen besucht.

Die dunkelroten bzw. dunkelpurpurnen Steinfrüchte sind eiförmig und bis 1 cm lang. Wenn die Pflanze unter Schnitt steht, erscheinen sie jedoch kaum. Das herzförmige Wurzelsystem bildet sehr weit reichende Seitenwurzeln aus. Die jungen Triebe sind sonnenseitig rötlich bis rotbraun und kahl. Die ältere, graue bis graubraune Borke bleibt lange glatt. Ein geschützter, sonniger bis halbschattiger, sogar fast schattiger Standort auf einem frischen, nahrhaften und gut durchlässigen Gartenboden ist optimal. Das Gehölz gilt als Kalk liebend, stellt aber an den pH-Wert nur geringe Ansprüche. Viel wichtiger ist, dass der Standort etwas Schutz vor Wintersonne und kalten Winden (Bise) bietet. Insgesamt eine sehr anpassungsfähige Art, die auch Hitze und temporäre Trockenheit schadlos übersteht.

Für dieses attraktive, immergrüne und vielseitig verwendbare Gehölz gilt es hier eine Lanze zu brechen, da in diverser Literatur die Winterhärte dieser Art bzw. der schmalblättrigen Sorte 'Angustifolia' als nur mässig bzw. sogar als schlecht beschrieben wird – meistens wird Prunus laurocerasus als winterhärter erwähnt. Aus eigener Erfahrung und auf Rückmeldungen von Berufskolleginnen und -kollegen gestützt, vertrete ich die Meinung, dass am selben Standort Prunus lusitanica deutlich winterhärter ist als Prunus laurocerasus. Im Schweizer Mittelland wurde dies mehrfach und ganz deutlich im kalten Februar 2012 – mit lang anhaltendem Dauerfrost bzw. Tiefsttemperaturen von unter – 20 Grad, wenig Schnee und Sonnenschein – bewiesen, als zahlreiche Prunus laurocerasus-Hecken (meist 'Caucasica' und 'Rotundifolia') stark zurück- oder sogar komplett erfroren, aber kaum geschädigte Prunus lusitanica bzw. 'Angustifolia' zu beklagen waren.

Solange dieses Gehölz ausgepflanzt wird und ein etwas geschützter Standort zur Verfügung steht, ist Prunus lusitanica sicher die bessere Wahl als eine im Habitus ähnlich wachsende Prunus laurocerasus-Sorte. Dazu kommt, dass Prunus lusitanica weniger fruchtet und die Samen nördlich der Alpen (noch) kaum auflaufen bzw. als Sämling den Winter überstehen, sodass die Gefahr einer ungewollten, selbstständigen Ausbreitung aktuell viel geringer ist als bei Prunus laurocerasus.

Essenz

Ein äusserst vielseitig verwendbares Solitär-, Gruppen- oder Heckengehölz, das aber auch als Formschnitt (Kugel, Kegel, Stämmchen etc.) oder als mehrstämmiger, aufgeasteter und schirmförmig geschnittener, robuster Kleinbaum eine gute Figur macht. Auch als dekorative, dem Gewürzlorbeer (Laurus nobilis) nicht unähnliche Kübelpflanze ist Prunus lusitanica gut verwendbar, sollte dann aber nur an sehr geschützten Standorten in wintermilden Gegenden ganzjährig draussen stehen bleiben. Nennenswerte Krankheiten oder Schädlinge sind so gut wie kein Thema; in «verseuchten» Gebieten werden die Blätter, wie bei fast allen immergrünen Pflanzen leider üblich, gern vom Dickmaulrüssler halbmondförmig angefressen.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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