Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Prunus mahaleb

Fel­sen­kirsche | Steinweichsel | Tür­kische Weichsel




Prunus mahaleb

Dieses Wärme liebende und frostharte Gehölz erträgt auch extreme Hitze- und Trockenphasen problemlos. Gerade im urbanen Bereich kann es auch an süd­exponierten, viel Abstrahlungswärme und Immissionen (Abgase und Feinstaub) ausgesetzten Standorten überzeugen, bspw. in Bahndammbepflanzungen oder in verkehrsteilenden Ruderalflächen und als Strassen begleitender Heckenstreifen.

VERBREITUNG

Mittel- und Südeuropa und in Teilen Asiens; oft an warmen, sonnigen Lagen, bspw. an trockenen Südhängen oder südexponierten Waldrändern, in lichten Mischwäldern, Trockenbuschgesellschaften oder auf kalkhaltigen Felsen. Häufig auch aus Obstgärten verwildert, da Prunus mahaleb gern als Veredelungsunterlage für Sauerkirschensorten (Prunus cerasus) in trockenen Gebieten verwendet wird. Kann an trockenen Südhängen im Alpenraum bis auf ca. 1600 m ü. M. aufsteigen.

WUCHS

Oft mehrstämmiger, sparriger Grossstrauch oder Kleinbaum von 5 bis 7 m (10 m) Höhe und nahezu derselben Breite, der eine weit ausladende, dicht verzweigte malerische Krone bildet. Im Alter hängen die dornenlosen Äste über. Dieses Gehölz bildet Wurzelsprosse aus, die oft mehrere Meter von der Mutterpflanze entfernt aus dem Boden ­spriessen.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Das wechselständig angeordnete, rundliche bis herzförmige, 4–6 cm lange und 5 cm breite Blatt ist auf der Oberseite dunkelgrün glänzend und auf der Unterseite etwas heller sowie entlang der Mittelrippe behaart. Der Blattrand ist regelmässig gezähnt bzw. feinkerbig gesägt, und die Herbstfärbung ist gelb. Der Blattstiel wird bis 2 cm lang und weist in der Regel nahe dem Blattansatz zwei Drüsen auf. Die grauen Jungtriebe sind leicht behaart. Im Alter werden die etwas glänzenden Zweige rötlich braun und entwickeln weis­se Lentizellen. Die Borke nimmt eine graubraune Färbung mit waagrechten Korkporenbändern an und wird längsrissig bzw. schmal gefeldert.

Von April bis Mai erscheinen vor oder mit dem Laub­austrieb die kleinen, weissen und intensiv süsslich duftenden, zu viert bis zehnt in Trauben zusammengefassten Blüten an den vorjährigen Trieben. Die kugeligen, etwa erbsengrossen, dunkelroten und bei der Reife im Juli/August glänzend schwarzen und fleischigen Steinfrüchte sind essbar und schmecken bittersüss herb. Der an sich giftige runde Stein (Samen) wurde früher in der Medizin verwendet (entzündungshemmend und magenstärkend) und dient gemahlen auch heute noch als Gewürz bzw. Backzutat.

Das kräftige Wurzelwerk kann, bodenabhängig, sich sehr tief entwickeln oder auf Felsen stehend nur flach ausgebildet sein. Ein vollsonniger Standort auf einem mageren, (kalk)steinigen und auf jeden Fall gut durchlässigen Boden ist für dieses robuste Gehölz optimal. Mit den zahlreich erscheinenden Wurzelausläufern weist es eine hohe Regenerationsfähigkeit auf.

Essenz

Dieses Wärme liebende und frostharte Gehölz erträgt auch extreme Hitze- und Trockenphasen problemlos. Gerade im urbanen Bereich kann es auch an süd­exponierten, viel Abstrahlungswärme und Immissionen (Abgase und Feinstaub) ausgesetzten Standorten überzeugen, bspw. in Bahndammbepflanzungen oder in verkehrsteilenden Ruderalflächen und als Strassen begleitender Heckenstreifen. Aber auch als Solitärgehölz bietet die Steinweichsel neben dem malerischen, etwas wilden Habitus mit der duftenden Blüte und den essbaren Früchten für (fast) alle Sinne etwas. Ebenso ist sie ein wichtiges Bienen- und Vogelnährgehölz; und sie wird aufgrund der dichten Verzweigung von Vögeln auch gern als Nistplatz auserkoren.

Schädlinge und Krankheiten sind so gut wie kein Thema. Das schwere und harte Holz wird von Drechslern hoch geschätzt. Eigentlich schade, dass dieses zukunftsträchtige Gehölz seiner (Wieder)entdeckung durch Gartenplanerinnen und -planer noch harren muss. Dies wird sich im Rahmen des fortschreitenden Klimawandels (heisse und trockene Sommer, die sich häufen) jedoch ändern, da Prunus mahaleb mit seinen Eigenschaften für solche Situationen bestens gewappnet ist.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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