Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Prunus padus

Elsenkirsche | Sumpfkirsche | Traubenkirsche




Prunus padus

Ein heimisches, absolut frosthartes und robustes Bienen- und Vogelnährgehölz – nur der frühe Laub­austrieb ist spätfrostgefährdet –, das auch mit innerstädtischem Klima, Schlagschatten und nassen Böden umzugehen versteht.

VERBREITUNG

Von Europa über Nordskandinavien und Nord­asien bis nach Korea und Japan; bevorzugt im Unterholz von Auenwäldern, in feuchten Mischwäldern, auf Wiesen und in Wildhecken oder entlang von Gewässern. Die reine Art kommt bis auf ca. 1200 m ü. M. vor. Die Unterart petraea (Tausch) Domin, auch Felsentraubenkirsche genannt, kann in den Alpen bis auf 2200 m ü. M. aufsteigen; dort entwickelt sie sich aber meistens nur strauchartig und kann durch die aufrecht oder abstehenden Früchte sowie die auf der Blattunterseite deutlich hervorstehenden Nerven von der Art unterschieden werden.

WUCHS

Meistens mehrstämmig und straff aufrecht wachsender Grossstrauch oder kleiner Baum von 7 bis 12 m (16 m) Höhe. Die recht dichte und geschlossene Krone entwickelt sich eiförmig bis rundlich und nimmt im Alter mit den dann überhängenden Ästen oft eine etwas unregelmässige Form an. Die Traubenkirsche bildet Wurzelbrut (Bodentriebe bzw. Wurzel­aus­schläge) aus.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die verkehrteiförmigen bis elliptischen und wechselständig angeordneten, abrupt zugespitzten Blätter werden bis etwa 12 cm lang und 6 cm breit. Die Oberseite ist dunkelgrün und matt, die Unterseite bläulich grün, und der Rand ist fein gesägt. Der Blattstiel weist meistens zwei Drüsen auf und kann bis 2 cm lang werden. Die Blätter spries­sen im Frühjahr zeitig, und die Herbstfärbung weist von gelb bis rötlich ein weites Spektrum auf. Die weissen Blüten erscheinen in 10–18 cm langen, halb aufrechten bis überhängenden und eher lockeren, traubigen Blütenständen – die deutsche Namensgebung bezieht sich auf ihre Traubenform. Die Blüten duften intensiv süsslich und entwickeln sich erst nach dem Laubaustrieb ab Ende April bis Juni.

Die schwarzen, etwa erbsengrossen, kugeligen Kirschen sind essbar, schmecken aber bitter und enthalten einen glatten Stein; sie werden aber gern zu Saft, zum Aromatisieren von Getränken (Sirup) oder zu Konfitüre verarbeitet. Das stark verzweigte, kräftige Wurzelwerk entwickelt sich, bodenabhängig, eher flach und weit als in die Tiefe und besitzt ein hohes Ausschlagsvermögen (Wurzelausschläge). Besonders nach Verletzungen oder einem starken Rückschnitt wird diese vegetative Vermehrungsmethode von der Pflanze verstärkt aktiviert. Die jungen Triebe sind hell- bis dunkelbraun und ganz typisch mit hellen Lentizellen versehen. Wenn man sie etwas ankratzt bzw. anschneidet, duften sie intensiv bittermandelartig. Ist einem dieser Geruch bekannt, kann man Prunus padus mit geschlossenen Augen erkennen.

Im Alter nimmt die Borke eine dunkelbraune bis schwarzgraue Färbung an. Das relativ weiche und elastische Holz wird für Tischlerarbeiten verwendet. Ein sonniger bis halbschattiger Standort auf einem tiefgründigen, lehmigen und frischen bis feuchten, ja sogar temporär nassen, eher kalkarmen und nahrhaften Boden wird bevorzugt. Insgesamt ist die Traubenkirsche aber recht standorttolerant und erträgt auch saure oder mäs­sig alkalische Bodentypen ebenso wie kurzfristige Überflutung bzw. Trockenheit.

Essenz

Ein heimisches, absolut frosthartes und robustes Bienen- und Vogelnährgehölz – nur der frühe Laub­austrieb ist spätfrostgefährdet –, das auch mit innerstädtischem Klima, Schlagschatten und nassen Böden umzugehen versteht. Bei Pflanzungen im urbanen Umfeld ist auf eine ausreichend vorhandene Bodenfeuchtigkeit zu achten. Diese Art wird regelmässig von der Traubenkirschen-Gespinstmotte (Yponomeuta evonymella) befallen, ein Nachtfalter, der im Raupenstadium mit den Blättern in Erscheinung tritt und an den jungen Trieben bis etwa Juni frisst.

Ein kompletter Kahlfrass des Gehölzes ist keine Seltenheit! Später verpuppen sich die Raupen in auffälligen Gemeinschaftsgespinsten im Astwerk oder am Stamm. Dennoch ist ein Einsatz von Insektiziden nicht sinnvoll, da das Gehölz durch den Befall nicht ernsthaft gefährdet wird und sich meistens rasch wieder erholt.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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