Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».
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Prunus spinosa
Hagedorn | Schlehdorn | Schlehe | Schwarzdorn

Prunus spinosa ist ein äusserst anpassungsfähiges und robustes einheimisches Gehölz, das auch eine wichtige Funktion als Bienenweide und Vogelnähr-/Nistgehölz einnimmt. Als undurchdringliche Wildhecke bietet die Schlehe auch anderen Tierarten Schutz.
In ganz Europa, nördlich bis Schottland und Südskandinavien, östlich bis in den Nordiran und Kurdistan sowie südlich bis Nordafrika an sonnigen Wald- und Wegrändern sowie in Feldhecken und als Pioniergehölz (oft auf kalkhaltigen, mässig trockenen bis frischen Böden) anzutreffen. Kann an geeigneten Standorten bis auf ca. 1500 m ü. M. aufsteigen.
Sparrig aufrecht wachsender, dichttriebiger, dornige, undurchdringliche Dickichte bildender Strauch, der 3–5 m in der Höhe und ein Vielfaches in der Breite erreichen kann. Bildet Wurzelausläufer aus und entwickelt sich damit mehr seitwärts denn in die Höhe; wächst eher langsam.
Die verkehrteiförmigen bis elliptischen, beidseitig mattdunkelgrünen und 3–5 cm grossen Blätter weisen einen regelmässig gezähnten Rand auf; sie sind wechselständig an den Trieben angeordnet und werden etwa eineinhalb- bis zweimal so lang wie breit. Die Herbstfärbung ist gelblich bis orange rötlich. Vor dem Blattaustrieb, etwa im März/April, erscheinen die weissen, angenehm süsslich duftenden Blüten überaus zahlreich in Dolden. Die Einzelblüte wird etwa 1 cm gross und ist kurzgestielt.
Im Ganzen bilden die Blüten eine auffallend weisse, landschaftsprägende Wolke. Die kugel- bis eiförmigen, blauschwarzen und bereiften Früchte sind nach dem ersten Frost essbar, schmecken aber sauer und lösen sich nicht vom Stein. Die Zweige sind anfänglich rötlich grau bis rotbraun mit weissen Lentizellen; mit den rechtwinklig abstehenden (in einem Dorn endenden) Seitentrieben sind sie ausgesprochen sparrig. Die glänzend glatte, schwarzbraune Borke weist waagrechte Querstreifen auf und wird im Alter feinplattig längsrissig. Der Trivialname verweist auf die Farbe der Borke. Das rötliche Holz ist zur Herstellung von Spazierstöcken sehr beliebt.
Das Wurzelsystem bildet sich flach und weit aus; der Oberboden wird intensiv durchwurzelt und es werden zahlreiche Wurzelschösslinge gebildet. Eine Einschüttung, bspw. in erodierenden Böschungen, wird problemlos ertragen, Staunässe ist aber Gift für die Schlehe. Ein vollsonniger bis halbschattiger und warmer Standort auf einem eher trockenen bis mässig frischen, alkalischen, nahrhaften und lehmig-kiesigen Boden ist optimal. Insgesamt aber sehr anpassungsfähig mit einer weiten Standortamplitude.
Prunus spinosa ist ein äusserst anpassungsfähiges und robustes einheimisches Gehölz, das auch eine wichtige Funktion als Bienenweide und Vogelnähr-/Nistgehölz einnimmt. Als undurchdringliche Wildhecke bietet die Schlehe auch anderen Tierarten Schutz. Die spitzen Zweigenden bzw. die Dornen dienen dem Neuntöter (Lanius collurio) als «Vorratskammer», in der er seine Beutetiere (Insekten und kleine Wirbeltiere etc.) aufspiessen kann – der Name Neuntöter kommt von der irrigen Annahme, dass diese Vogelart aus der Familie der Würger immer zuerst neun Beutetiere aufspiesst, bevor sie eines frisst.
Die Schlehe ist auch ein gegenüber mechanischen Verletzungen extrem widerstandsfähiges Pioniergehölz, das als Gruppengehölz in Wildhecken, Schutzpflanzungen, Böschungen (Bodenbefestigung) und bei Rekultivierungen von Halden oder als Strassenbegleitgrün wertvolle Dienste leistet. Schädlinge und Krankheiten sind so gut wie kein Thema für dieses attraktiv blühende und fruchtende Wildgehölz. Der Schlehdorn gehört meiner Meinung nach in jeden naturnahen Garten.
Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.
Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.
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