Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».
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Quercus robur
Deutsche Eiche | English Oak | Sommereiche | Stieleiche

Ein frostharter und Wärme liebender heimischer Baum, der wohl auch von Nichtgärtnern anhand der Blätter, Früchte oder des Wuchsbildes erkannt wird. Die Stieleiche ist auch in der germanischen Mythologie buchstäblich stark verwurzelt und gilt als Sinnbild für Beständigkeit und Durchhaltewillen.
Europa und Vorderasien; fehlt in Südspanien und in Nordskandinavien. Häufig in artenreichen Mischwäldern sowie an Feldrändern des Berg- und Hügellands. Kann bis auf ca. 1000 m ü. M. aufsteigen.
Langsam wachsender, mächtiger Baum von knorriger Gestalt mit einer lockeren, etwas unregelmässig hoch gewölbten und im Alter oft weit ausladenden Krone, die zuweilen bizarr, zuweilen malerisch wirkt. Der Stamm teilt sich in der Krone oft in zahlreiche, mehr oder weniger horizontal stehende, nahezu gleichwertige Hauptäste. Kann 35–40 m (45 m) hoch und 25 m breit und bis 1000 Jahre alt werden. Als Charakterbaum ist die Stieleiche schon von Weitem gut an ihrem Habitus erkennbar und hat daher auch eine landschaftsprägende Funktion.
Die sommergrünen, etwas ledrigen Blätter sind im Umriss verkehrteiförmig und wechselständig an den Trieben angeordnet; sie werden bis 15 cm lang und 9 cm breit und sind fiederteilig, mit drei bis sechs, flach gerundeten Lappen je Blatthälfte. Die Blattoberseite ist tiefdunkelgrün, während die Unterseite heller bzw. etwas bläulich grün erscheint. Im Herbst färben sich die Blätter goldgelb bis gelbbraun und bleiben, einmal braun geworden, oft bis zum zeitigen Frühjahr am Baum hängen. Das abgefallene Laub wirkt bodenversauernd. Die Blätter erscheinen fast sitzend bzw. mit einem 4 bis max. 8 mm langen Stiel an den Trieben (wichtiger Unterschied zur recht ähnlichen Quercus petraea, die länger gestielte Blätter und sitzende Früchte besitzt). Im April/Mai erscheinen die weiblichen und männlichen Blüten auf derselben Pflanze (einhäusig), wobei die weiblichen Blüten eher unscheinbar sind und die männlichen die Form von grüngelben, hängenden Kätzchen haben.
Die 2–3,5 cm grossen Eicheln sind ei- bis walzenförmig und von einem schuppigen, braunen Becher umschlossen. Im unreifen Zustand sind sie glänzend grün und werden bei Reife (September/Oktober) mattbraun. In der Regel erscheinen sie zu mehreren langgestielt – wie der Trivialname sagt –, was auch ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Quercus petraea ist, deren Früchte kaum oder nur ganz kurzgestielt sind. Die Fruchtstiele bei der Stieleiche können 4–10 cm lang sein. Früher wurden die stärkehaltigen Früchte als Waldweide für die Schweinemast genutzt und dienten in Notzeiten in Form von geröstetem Eichelmehl und Kaffeeersatz als wichtige Lebensmittel für die Bevölkerung.
Die jungen Triebe sind zunächst olivbraun bis bräunlich und schliessen oft mit gehäuft erscheinenden, kugeligen bis eiförmigen, braunen Terminalknospen ab. Im Alter nimmt die dicke Rinde (Borke) eine tief längsrissige Gestalt und eine dunkelbraune Färbung an. Früher wurde diese aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts in der Lederverarbeitung verwendet. Das schwere, harte und zähe Holz lässt sich gut bearbeiten und gilt als äusserst witterungsbeständig. Es wird für Bahnschwellen oder im Haus- und Schiffbau, aber auch als Möbel- und Parkettholz hoch geschätzt; auch für den Fassbau oder als Brennholz zählt es zum Besten, was der europäische Wald zu bieten hat.
Das Wurzelwerk entwickelt sich, abhängig von den Bodenverhältnissen, ausgesprochen tief (Pfahlwurzel) und bildet im Alter ein kräftiges Herz-Senkerwurzelsystem aus. Ein sonniger bis absonniger Standort auf einem tiefgründigen, lehmreichen, frischen bis feuchten, aber dennoch gut drainierten, nahrhaften Boden gefällt der Stieleiche am besten. Insgesamt weist sie aber eine recht weite Standortamplitude auf und kann als bodentolerant bezeichnet werden. Die Bodenreaktion kann von sauer bis alkalisch reichen. Hochsommerliche Hitze mit damit verbundener Trockenheit wie auch eine temporäre Überflutung wird schadlos überstanden, wenn dieser Zustand nicht zu lange andauert.
Ein frostharter und Wärme liebender heimischer Baum, der wohl auch von Nichtgärtnern anhand der Blätter, Früchte oder des Wuchsbildes erkannt wird. Die Stieleiche ist auch in der germanischen Mythologie buchstäblich stark verwurzelt und gilt als Sinnbild für Beständigkeit und Durchhaltewillen. Sie gilt als blitzschlaggefährdet, weshalb sich die eigentlich heimische Art vermutlich nie als Hausbaum etablieren konnte – sehr wohl aber als Grenz- und Gerichtsbaum auf freiem Feld. Heutzutage ein wertvoller, langlebiger Wald-, Allee- und Parkbaum. Als grösste Problematik sehe ich die starke Mehltauanfälligkeit der Blätter (weisser Belag), die ein im Sommer unattraktives Blattwerk zur Folge hat, sowie den Befall mit dem Eichensplintkäfer (Scolytus intricatus) und dem Eichenwickler (Tortrix viridana).
Ansonsten hat sich Quercus robur als robust und dauerhaft erwiesen und gilt als wichtiger Wohnbaum zahlreicher heimischer Vogelarten (z. B. Waldkauz) und Nager (z. B. Eichhörnchen). Im Lauf der Jahrhunderte sind auch zahlreiche Selektionen bzw. Sorten entstanden, von denen die bedeutendsten bzw. interessantesten im Folgenden vorgestellt werden.
Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.
Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.
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