Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Robinia pseudoacacia

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Robinia pseudoacacia

Ein äusserst robuster, Wärme liebender, hitze- und trockenheitsresistenter wie auch das Stadtklima problemlos ertragender Parkbaum, der in der Forstwirtschaft in nahezu allen europäischen Staaten anzutreffen ist.

VERBREITUNG

Ursprünglich aus den Südstaaten der USA (Carolina, Georgia und Virginia) sowie Pennsylvania, Indiana und Iowa stammend, als Pioniergehölz und in Wäldern oder Dickichten, wurde sie höchstwahrscheinlich als erster Baum der Neuen Welt bereits vor 1600 nach Europa gebracht.

Der Hofgärtner und Kräuterexperte der französischen Könige Heinrich III., Heinrich IV. und Ludwig XIII., Jean Robin (1550–1629), gab ihr den Gattungsnamen Robinia; den Artnamen pseudoacacia erhielt sie aufgrund der Ähnlichkeit mit den subtropischen Akazien Afrikas. In einigen Quellen wird auch der berühmte schwedische Naturforscher und Erschaffer der binären Nomenklatur Carl von Linné (1707–1778) als Namensgeber – zu Ehren von Jean Robin – erwähnt. Im Jardin des Plantes in Paris stand bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein von Robin gezogenes und um 1630 gepflanztes Ex­emplar.

WUCHS

Mittelgrosser bis grosser sommergrüner Baum, der eine rundliche und lockere bis hoch gewölbte, schirmartige Krone ausbildet. Nimmt gerade im Alter oft eine malerische Gestalt an, enthält in der Krone jedoch häufig auch Totholz. In der Höhe werden 20–25 m und in der Breite 13–17 m (20 m) erreicht. Robinia pseudoacacia bildet Wurzelsprosse aus und wächst sehr schnell (exzellenter Holzproduzent, auch auf mageren Böden, da sie als Stickstoffsammlerin den Boden anreichert). Robinien sind nicht ausgesprochen langlebig: So sind 200 Jahre alte Exemplare schon als Methusalems zu bezeichnen.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die sommergrünen, wechselständig an den Trieben angeordneten und bis 30 cm langen, bis 10 cm breiten Blätter sind insgesamt länglich und unpaarig gefiedert. Die einzelnen (bis 21) dunkelgrünen bis blaugrünen, auf der Unterseite hellgrünen, ganzrandigen Blättchen werden bis 5 cm lang und 2 cm breit; sie sind gegenständig oder nahezu gegenständig angeordnet und weisen eine stumpfe bis leicht gekerbte Spitze auf. Am Blattstielgrund stehen zwei Nebenblättchen, die später zu Dornen umgewandelt werden.

Im Herbst färben sich die Blätter kaum oder nur leicht gelblich. Bei extremer Hitze und bei Starkregen können sie sich entlang der Achse zum Selbstschutz einklappen. Von Ende Mai bis Anfang Juni erscheinen die stark süsslich duftenden, weissen und gelb gefleckten Schmetterlingsblüten in 10–25 cm langen, hängenden Trauben. Die rötlich braunen, 4–10 cm langen und abgeflachten Hülsen enthalten die giftigen Samen und bleiben oft über den Winter am Baum hängen. Die rotbraunen Triebe sind etwas kantig und stark mit bis zu 3 cm langen Dornen bewehrt. Im Alter wird die braungraue und dicke Borke tief netzfurchig.

Die Robinienrinde, die Samen wie auch die Blätter enthalten Glykoside und sind giftig: So kann z. B. für Pferde der Verzehr von Robinienrinde schon in geringen Mengen tödlich sein. In jungen Jahren bildet die Robinie eine Art Pfahlwurzel aus; später entwickelt das Gehölz ein Senkerwurzelsystem, immer in Abhängigkeit von den vorherrschenden Bodenverhältnissen, mit flach verlaufenden und weit reichenden Hauptseitenwurzeln. Diese sind sehr kräftig und können sogar Strassenbeläge anheben. 

Auf leichten Böden dringen die Wurzeln bis 3 m tief in den Boden. Es wird eine Wurzelbrut entwickelt, und die zahlreichen Wurzeltriebe kommen auch weit vom Stamm entfernt hervor. Zudem bildet Robinia pseudoacacia Wurzelknöllchen aus, die Luftstickstoff bindende Bakterien enthalten und so zu einer Anreicherung auch im Boden führen.

Robinienwurzeln benötigen viel Luft, d. h. einen lockeren und steinigen, warmen Boden. Kalte und nasse oder zu nahrhafte bzw. schwere Lehmböden sind für sie Gift. Das ebenso harte wie schwere, gelbliche Holz ist äusserst witterungsbeständig und wird gern im Schiffbau oder für Pfähle verwendet; auch im Bergbau ist es zum Abstützen von Stollen beliebt, da es lange hält, ohne zu faulen. Die anspruchslose Gattung bzw. Art bevorzugt einen vollsonnigen bis sonnigen Standort auf einem schwach sauren bis alkalischen, gut durchlässigen, mässig trockenen bis frischen Sand-Kiesboden.

Essenz

Ein äusserst robuster, Wärme liebender, hitze- und trockenheitsresistenter wie auch das Stadtklima problemlos ertragender Parkbaum, der in der Forstwirtschaft in nahezu allen europäischen Staaten anzutreffen ist. Die Robinie ist bei Imkern sehr beliebt, da die Blüten gern von Bienen besucht werden und den für gewisse Regionen geschmackstypischen Akazienhonig liefern. In Ungarn wurden in der grossen Tiefebene (Puszta) im 18. und 19. sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts riesige Flächen aufgeforstet – die Robinie hat es so sogar zum ungarischen Nationalbaum geschafft. In den Weingebieten Italiens, Frankreichs und Spaniens wird das Holz für Rebpflöcke hoch geschätzt. Auch als geschältes Konstruktionsholz für den Bau von Spielgeräten im Aussenbereich (Klettertürme etc.) oder im Zaunbau findet sie heute noch viele dankbare Abnehmer.

Etwa 17 cm dicke Akazienpfosten halten nachweislich bis zu 50 Jahre, ohne an der Übergangsstelle vom Boden zur Luft durchzufaulen. Mit so langen Standzeiten können höchstens noch die mit dem krebserregenden Karbolineum (Teeröl) getränkten Eisenbahnschwellen aus Eiche mithalten – im Unterschied zu diesen können die 50-jährigen Robinienpfähle, zumindest die oberirdischen Teile, aber noch bedenkenlos als Grillholz verwendet werden, während die teerölgetränkten Bahnschwellen einer kostspieligen Spezialentsorgung bedürfen.

In der Schweiz ist Robinia pseudoacacia in die Liste der «auffälligen invasiven Neophyten» aufgenommen worden. Dies aufgrund der starken Selbstaussaat und, gerade bei gefällten Bäumen, der ausgeprägten Neigung zur Bildung von Ausläufern bzw. Stockausschlägen. Auch das schnelle Wachstum und die Anreicherung des Bodens mit Stickstoff – mit der sie teilweise die endemische Flora verdrängt –, haben sicher dazu beigetragen, dass sie gelistet wurde und somit in Schweizer Baumschulen kaum mehr produziert wird. Im Gegensatz zu unseren europäischen Nachbarn, wo diese Art mit zahlreichen Sorten nach wie vor zu den beliebten Allee- und Parkbäumen zählt, hat hierzulande mit dieser Einstufung die ganze Gattung in ihrem Ruf arg gelitten.

Schade, dass neben der Informationspflicht über das invasive Potenzial und dem Hinweis, die Art aus dem Sortiment zu nehmen, selten erwähnt wird, dass auch kaum Samen bildende Sorten von Robinia pseudoacacia in Baumschulen kultiviert werden und diese als robuste Strassenbäume (industriefest, salzresistent und mit guter Wundabschottung nach Anfahrschäden) einen wertvollen Dienst leisten. Zudem halten sich in einer asphaltierten Innenstadt auch für die Robinie die Ausbreitungsmöglichkeiten meistens in Grenzen. Meiner Meinung nach ist die Empfehlung, «Jungpflanzen immer auszureis­sen, Rinde streifenförmig um den Baum zu entfernen (ringeln) und Stockausschläge ggf. mit einem Herbizid zu behandeln», mit gesundem Menschenverstand zu handhaben. Natürlich ist aber in der Nähe von Naturschutzgebieten, in Waldrandnähe, auf freien Kiesflächen, an Bahndämmen, an Gewässern etc. Vorsicht geboten, damit sich Robinia pseudoacacia – immerhin der Baum des Jahres 2020 – nicht verselbstständigt.

Bei der Verwendung von Auslesen oder Selektionen sollten v. a. schwach wachsende bzw. nur spärlich fruchtende bzw. Samen ansetzende Sorten berücksichtigt werden. [Neophyten-Status beachten]

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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