Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».
Über die Suchfunktion oben rechts (versteckt hinter den drei Querstrichen) oder die Hashtags am Ende jedes Pflanzenporträts können gezielt Arten mit bestimmten Eigenschaften gefunden werden.
Sambucus nigra
Fliederbeere | Holder | Schwarzer Holunder

Gerade in nordischen Ländern wird der Holunder gern in unmittelbarer Nähe von Haus und Hof gepflanzt – er soll als Wohnsitz für die Hausgeister dienen –, und diese Tradition findet sich fast in ganz Europa bei Bauernhöfen.
Europa, Kaukasus und Vorderasien sowie ostwärts bis Westsibirien; bevorzugt in Waldlichtungen, Hecken und am Rand von Schuttplätzen (Ruderalstrauch) auf frischen bis feuchten, tiefgründig nahrhaften Böden. Kann in geschützten Alpentälern bis auf 1500 m ü. M. aufsteigen.
Breitbuschig aufrecht wachsender Grossstrauch oder meist mehrstämmiger Kleinbaum von 4 bis 6 m (9 m) Höhe und einer ebensolchen Breite. Die dichte Krone nimmt im Alter eine rundliche bzw. bogig ausladende Form an und hängt am Ende leicht über.
Die sommergrünen, gegenständig angeordneten, unpaarig gefiederten Laubblätter werden bis 30 cm lang und setzen sich meist aus fünf lanzettlich geformten, regelmässig gezähnten, 5–10 cm langen Blättchen zusammen; die Oberseite ist mattdunkelgrün, die Unterseite meist heller. Beim Zerreiben verströmen die Blätter einen eher unangenehmen Geruch, und im Herbst fallen sie nahezu grün ab. Im Mai/Juni erscheinen die rahmweissen Blüten in flachen bis leicht gewölbten, bis 25 cm breiten Scheindolden am jungen Holz bzw. an den diesjährigen Trieben.
Die kugeligen, glänzend schwarzen, beerenartigen Steinfrüchte, die in breiten Scheindolden mit dunkelroten Fruchtstielen im August/September reifen, werden 5–7 mm gross und sind ausgesprochen saftreich. Gekocht sind sie für den Menschen geniessbar; im unreifen Zustand oder roh genossen, sind sie aber leicht giftig und verursachen Bauchkrämpfe oder Durchfall. Das typische Aroma ist gut erkennbar, und die Früchte enthalten die Vitamine A, B und C sowie Kalium.
Das Gehölz ist selbstfruchtbar. Die hellgrauen Triebe sind recht dick und weisen zahlreiche warzige Lentizellen auf. Im Alter wird die tief gefurchte Borke richtig korkig. Das fleischige, dicht verzweigte Wurzelwerk entwickelt sich meist oberflächennah. Das zähe, weisslich gelbe Holz, das von Drechslern und Tischlern hoch geschätzt wird, ist in der Stammmitte mit einem weissen, lockeren Mark gefüllt (wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Roten Holunder, Sambucus racemosa; dieser weist ein rötlich braunes Mark auf).
Ein sonniger bis halbschattiger Standort auf einem frischen bis feuchten, tiefgründigen und nahrhaften, gern auch lehmigen Boden hat sich für dieses ausdauernde und anspruchslose Gehölz als ideal erwiesen. Holunder gilt als Stickstoffzeiger.
Gerade in nordischen Ländern wird der Holunder gern in unmittelbarer Nähe von Haus und Hof gepflanzt – er soll als Wohnsitz für die Hausgeister dienen –, und diese Tradition findet sich fast in ganz Europa bei Bauernhöfen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich der Schwarze Holunder neben dem Miststock so richtig wohl fühlt. Allgemein hat er sich als ausgesprochen tolerant gegenüber Salz erwiesen und kann deshalb gut küstennah oder entlang von streusalzbelasteten Strassen verwendet werden.
Er stellt ein robustes, frosthartes und stadtklimafestes einheimisches Gehölz dar, das sowohl in Wildhecken, als Solitär oder ingenieurbiologisch als «pumpende» Pflanze (verbraucht überschüssiges Wasser) und in Plantagen (zur Ernte der Blüten oder Früchte) verwendet werden kann. Aus den Blüten lässt sich ein hervorragend schmeckender Sirup herstellen, und die Früchte können zu Konfitüre oder Saft verarbeitet werden – warmer Holundersaft wirkt sehr gut gegen Erkältungen. Auch für das Färben von Lebensmitteln finden die blauroten Früchte, die stark färbende Stoffe (Anthozyane) enthalten, Anwendung. Ausserdem bietet der Holunder zahlreichen Vögeln Nahrung und Nistplätze und wird auch gern von Bienen und Hummeln wie von etlichen anderen Insekten besucht. Aus natürlichen Auslesen und gärtnerischer Züchtung sind im Lauf der Jahrhunderte auch Sorten entstanden.
Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.
Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.
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