Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Sorbus torminalis

Elsbeere | Ruhrbirne | Schwei­zer Birnbaum | Wilder Sperber



Sorbus torminalis

Eine wertvolle Bienenweide wie auch ein bedeutsames Wildfrucht- und Vogelnährgehölz, das auch forstwirtschaftlich – als gesuchtes Edelholz – geschätzt wird. Für furnierfähiges Holz bester Qualität werden an Versteigerungen fünfstellige Beträge pro m3 bezahlt.

VERBREITUNG

Europa, Nordafrika und westliches Asien; bevorzugt in warmen, wintermilden Lagen (Südhängen) auf kalkreichen, lehmhaltigen Böden in Eichen- und Buchenwäldern sowie an deren Rändern. Kann von Meereshöhe bis auf 950 m ü. M. (Alpenvorland) aufsteigen. Der nach Frosteintritt essbaren Früchte und des wertvollen Holzes wegen wird die Elsbeere schon seit alters her in Klostergärten kultiviert. In der freien Natur ist sie in der Schweiz selten und wenn, dann v. a. in den Kantonen Schaffhausen, Basel-Stadt und -Landschaft, Jura sowie Genf anzutreffen.

WUCHS

Mittelgrosser, laubabwerfender, meist kurzstämmiger Baum von 10 bis 16 m (25 m) Höhe und 7 bis 13 m Breite. Bildet eine geschlossene, eiförmige bis rundliche Krone aus und wächst mit zunehmendem Alter immer langsamer. Kann bis 300 Jahre alt werden.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die wechselständig angeordneten, breit eiförmigen, etwas variablen Blätter sind ahornartig gelappt und werden bis 12 cm lang und 10 cm breit. Mit den tiefen Einschnitten entstehen sieben bis elf dreieckige, spitze und am Rand gesägte Lappen. Auf der Oberseite sind die Blätter dunkelgrün glänzend, während die Unterseite deutlich heller ist. Im Herbst nehmen sie von gelblich braunen über prächtig rot­orange bis purpurne oder lederbraune Farbtöne an.

Die weissen, 10–15 mm grossen Blüten erscheinen im Mai/Juni zu mehreren in lockeren, filzigen Trugdolden; sie werden von zahlreichen Insekten besucht. Die ei- bis birnenförmigen, 15–18 mm dicken Früchte sind bräunlich und mit hellen Lentizellen besetzt; sie sind bei Reife (ab Oktober) braun und teigig-mehlig und nach dem ersten Frost (Gerbstoffabbau) oder gekocht geniessbar. Die Vitamin-C-haltigen Früchte galten im Mittelalter als Armeleuteessen. Roh genossen haben sie eine stark abführende Wirkung, getrocknet bzw. gedörrt bereichern sie jedoch das morgendliche Müesli ungemein. Zu Schnaps gebrannt wird wohl die höchste Wertschöpfung erzielt: So werden für die besten gebrannten Elsbeerwasser mehrere Hundert Schweizer Franken pro Liter bezahlt. Die Rinde der jungen, glatten Triebe ist olivbraun bis rötlich grau.

Im Alter nimmt der Stamm eine graubraune Färbung an, reisst in schuppigen Platten auf und ist dadurch mit einem auffälligen Rautenmuster versehen. Die Blattknospen sind kegelig-eiförmig, mehrschuppig und glänzend grün. Sorbus torminalis bildet ein tief gehendes Wurzelwerk mit stark verzweigten und weit reichenden Seitenwurzeln aus (bodenabhängig 1–2 m Tiefe).

Das feine, dichte Holz ist hart und schwer (Splintholz gelb, Kernholz gelblich rot), gehört zu den wertvollsten Nutzhölzern unserer Wälder und lässt sich gut bearbeiten. Es wird im Instrumenten- und Möbelbau wie auch von Drechslern hoch geschätzt und erzielt an Versteigerungen jeweils Höchstpreise.

Ein sonniger bis halbschattiger Standort in einer warmen Lage (Weinbauklima) und ein gut durchlässiger, nährstoffreicher, kiesig-lehmiger, kalkhaltiger Boden bietet der Elsbeere ideale Lebensbedingungen. Die Reaktion kann von schwach sauer bis stark alkalisch (Kalk liebend) reichen. Hochsommerliche Hitzephasen verbunden mit Bodentrockenheit werden gut toleriert. In jungen Jahren ist sie etwas frostempfindlich, weshalb Muldenlagen (Kältesee) zu meiden sind. Auch Staunässe bedeutet den sicheren Tod. 

Essenz

Eine wertvolle Bienenweide wie auch ein bedeutsames Wildfrucht- und Vogelnährgehölz, das auch forstwirtschaftlich – als gesuchtes Edelholz – geschätzt wird. Für furnierfähiges Holz bester Qualität werden an Versteigerungen fünfstellige Beträge pro m3 bezahlt. In Obst- und Hausgärten, aber auch entlang von warmen Waldrändern, in der freien Landschaft und in Wohnsiedlungen oder bedingt auch als Strassenbaum – eher in breiten Grünstreifen als im Passantenbereich (Früchte) – ruft die Elsbeere ein Stück Kulturgeschichte wieder in Erinnerung. Früher wurde aus den gerbstoffhaltigen Früchten eine Medizin gegen Bauchschmerzen hergestellt, und schon Martin Luther pries ihre heilende Wirkung.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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