Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».
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Taxodium distichum
Sumpfzypresse

Ein prachtvoller, stadtklimafester und gegenüber Luftverschmutzung auffallend toleranter Solitärbaum, der am oder sogar im (!) seichten Wasser gepflanzt werden kann und dem regelmässige Überschwemmungen mit schwankenden Wasserständen keine Probleme bereiten.
In den Sumpfgebieten der amerikanischen Südstaaten und dem Mississippi nordwärts folgend bis Illinois und Indiana; bevorzugt auf sauren bis neutralen, feuchten bis nassen, sandig-tonigen Lehmböden. Entdeckt durch die englischen Botaniker und Gärtner Tradescant: Vater, genannt der Ältere (1570–1638), und Sohn, der Jüngere (1608–1662), beide mit dem Vornamen John. In Europa um 1640 durch den Sohn eingeführt.
Sommergrün belaubter, langsam wachsender Nadelbaum von 30 bis 40 m (45 m) Höhe und bis 12 m Breite. In jungen Jahren entwickelt sich die Krone gleichmässig kegelförmig. Im Alter – kann über 1000 Jahre alt werden – lockert sich die breiter gewordene Krone auf und öffnet sich unregelmässig mit einzelnen weit abstehenden, starken Ästen. Direkt über den imposanten Wurzelanläufen ge-
messen, können grosse Exemplare bis 5 m Stammdurchmesser aufweisen!
Die nadelförmigen bzw. linealischen und spitz endenden Blätter werden 5–20 mm lang; sie sind an der Basis etwas gedreht und stehen wechselständig (im Unterschied zu Metasequoia glyptostroboides mit gegenständig angeordneten Nadeln) an den Kurztrieben, treiben bronzegrün aus, werden dann frischgrün, verfärben sich im Herbst mattrotbraun bis fuchsrot und fallen kurz vor den ebenfalls abgestossenen Kurztrieben im Spätherbst oder Frühwinter ab.
Im Frühling erscheinen bei diesem einhäusigen Gehölz die auffälligen, rispenähnlichen und rotstieligen, bis 13 cm langen, männlichen Blütenkätzchen im Spitzenbereich der vorjährigen Langtriebe; die weiblichen Blüten sind an den Langtrieben eher etwas tiefer angeordnet und werden 2–3 cm lang. Die kurzgestielten, meist runden Zapfen sind zunächst grün, bei Reife rötlich braun und aus verholzten Schuppen zusammengesetzt; sie können bis 3 cm im Durchmesser erreichen und enthalten in der Regel etwa 18 (fünf bis 30) sehr variabel geformte Samen.
Am Naturstandort werden sie durch Wind und Wasser verbreitet. Die dünne, meist graue oder rötlich braungraue Borke ist recht glatt und wird nur von flachen, in der Längsrichtung verlaufenden Rissen durchzogen. Das Wurzelwerk entwickelt sich zum einen tief (Pfahlwurzel) und herzförmig, zum anderen, besonders auf weichen Lagunenböden und in Überschwemmungsgebieten, mit ausgeprägten Atemknien. Dabei handelt es sich um kegelförmige Kniewurzeln, die bis 30 cm dick und gegen 1 m, am Naturstandort sogar bis über 3 m hoch werden können.
Auf festen und trockeneren Böden zeigt der Baum diese Besonderheit nicht, die ihn auf schwammigen Böden stabilisiert. Neben der Stützfunktion dienen die Atemknie, die innen aus gut durchlüftetem Gewebe bestehen, auch dem Gasaustausch. Die Sumpfzypresse weist keine Harzkanäle im Holz auf und gilt als ausgesprochen dauerhaft und gut witterungsbeständig. Auch im Boden wird das Holz nur langsam abgebaut und weist eine hohe Resistenz gegen Ameisen und Termitenbefall auf. Als universell verwendbares Baumaterial im Aussenbereich wie auch als Täfer und Dachschindeln wird es hoch geschätzt und je nach Färbung auch als Black, Red oder Yellow Cypress bezeichnet.
Ein sonniger Standort auf einem feuchten und nahrhaften, sandigen Lehmboden, der eine saure bis höchstens neutrale Reaktion aufweist, ist für die Sumpfzypresse ideal. Sie meidet Kalk, gedeiht aber auch noch erstaunlich gut auf mässig trockenen Böden – dies ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die Pflanze auch ganzjährig im Wasser stehen kann. Auf einen zu hohen pH-Wert reagiert dieses Gehölz mit Chlorosen und Kümmerwuchs. Als junge Pflanze ist Taxodium distichum etwas frostgefährdet (Spätfrost), einmal eingewachsen und etabliert, in unseren Breiten aber ausreichend frosthart.
Ein prachtvoller, stadtklimafester und gegenüber Luftverschmutzung auffallend toleranter Solitärbaum, der am oder sogar im (!) seichten Wasser gepflanzt werden kann und dem regelmässige Überschwemmungen mit schwankenden Wasserständen keine Probleme bereiten. In stehenden Naturteichen, die max. Wasserstände von 50 cm aufweisen, kann die Sumpfzypresse einfach reingestellt und fixiert werden; das Einwurzeln erfolgt dann von selbst. Bei einer solchen Pflanzung sollte sie aber mindestens das Baumschulmass 250/300 cm aufweisen.
Auch als Alleebaum und in Gruppen in Wassernähe oder sogar als streng geschnittener Heckenkörper – im Kontext mit moderner Architektur –, kann die robuste Sumpfzypresse mit der hellgrünen Benadelung und rotbraunen Herbstfärbung überzeugen. Zu beachten gilt, dass nur die Art neutrale Böden toleriert, die im Folgenden beschriebenen Sorten aber zwingend zumindest leicht saure Bodentypen benötigen. Auf dem Balkan (Bulgarien und Rumänien) wird das Gehölz auch forstwirtschaftlich angebaut. In den Sümpfen von Florida und Louisiana wird es allerdings häufig vom Louisiana-Moos oder vom Spanischen Moos, genauer dem epiphytisch lebenden Bromeliengewächs Tillandsia usneoides besiedelt.
Das Bild von im Wasser stehenden, gespenstisch wirkenden Bäumen mit silbergrauen, wie Fetzen herunterhängenden Tillandsien ist wohl auch Nichtgärtnerinnen und -gärtnern aus vielen amerikanischen Spielfilmen bekannt.
Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.
Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.
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