Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».
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Taxus baccata
Bogenbaum | Eibe | Europäische Eibe | Gemeine Eibe

Die Eibe gilt als das mit Abstand schattenverträglichste einheimische Nadelgehölz überhaupt und kann als eine der wenigen Koniferen auch aus dem alten Holz wieder auszuschlagen: Nach einem radikalen Rückschnitt baut sie sich aus dem alten Holz wieder auf.
Europa bis südwestliches Asien; die Grenze des natürlichen Verbreitungsgebiets verläuft von den Britischen Inseln über Südskandinavien, Lettland, Polen, Ukraine, Karpaten, Krim, Kaukasus bis in den nordwestlichen Teil Irans. Im Mittelmeerraum, auch auf Korsika und Sardinien, wie im Atlasgebirge ist die Eibe eher in höheren Lagen zu finden. Sie bevorzugt halbschattige Lagen auf drainierten, jedoch eher schweren, kalkreichen und lehmig-humosen, gleichmässig frischen Böden, kann aber auch auf Böden ganz unterschiedlicher Ausgangsgesteine gedeihen. Im südlichen Spanien steigt sie bis auf 1900 m ü. M. auf.
Sehr variabel wachsende einheimische, immergrün belaubte Nadelbaumart, die in der Regel zu einem aufrechten, meist mehrstämmigen, breit kegelförmigen bis eine schirmartige Krone entwickelnden Baum von 9 bis 16 m (20 m) Höhe wird. Die Äste stehen mehr oder weniger waagrecht vom Stamm ab, und die Zweige hängen etwas. Das ausdauernde Gehölz wächst langsam und erreicht seine Maximalhöhe erst nach etwa 200 Jahren. In der Normandie (F) stehen wohl die ältesten Eiben Europas, wo ein Exemplar von ca. 17 m Höhe und einem Stammumfang von gegen 8 m (!) auf ein Alter von etwa 3000 Jahren geschätzt wird.
Die linealisch geformten und biegsamen Nadeln werden 15–30 mm lang und bis 2,5 mm breit; sie sind kurz zugespitzt, weisen auf der Oberseite eine glänzend dunkel- bis schwarzgrüne, auf der Unterseite eine hellgrüne Färbung mit zwei blassgrünen Stomabändern auf und können bis 8 Jahre (!) am Zweig bleiben. An horizontal gestellten Seitenzweigen sind sie mehr oder weniger gescheitelt angeordnet, während sie an den Spitzentrieben oft spiralig stehen. Die meist eiförmigen Blattknospen werden ca. 6 mm gross und sind an den End- wie auch an den Seitentrieben etwa gleich ausgebildet.
Die jungen Triebe sind grün bis braungrün und kahl, während die recht dünne Borke im Alter eine rot- bis graubraune Färbung annimmt und sich in platanenähnlichen Schuppen vom Stamm löst. Die Eibe ist eigentlich eine zweihäusige Art (männliche und weibliche Pflanzen), allerdings finden sich hin und wieder auch zwittrige Exemplare. Die Blüten werden im Herbst angelegt und blühen im zeitigen Frühjahr (März/April). Die Fruchtreife erfolgt dann im September/Oktober des Blühjahrs.
Die weiblichen Einzelblüten sind unscheinbar; die männlichen Blüten erscheinen an winzigen, blattachselständigen Trieben als gelbliche, köpfchenförmige, etwa 4 mm grosse Einzelblüten, die den Pollen mit dem Wind verbreiten – bei Berührung stieben männliche Blüten im Frühjahr richtiggehend. Während des Abblühens bildet sich an der weiblichen Blütenachse ein ringartiger Wulst, der nur am Grund mit der Samenanlage verwächst, grösser wird und schliesslich den Samen becherförmig umschliesst. Dieser bei Vollreife leuchtend rote Samenmantel (Arillus) besteht aus süsslichem, fleischigem, etwas schleimigem Gewebe und ist nicht giftig. Die schwarzbraunen Samen werden bis 7 mm lang und 5 mm breit und weisen eine fein gerippte Oberfläche auf.
Alle Pflanzenteile, mit Ausnahme des Arillus, enthalten die Gifte Taxin, Myricylalkohol und Taxicatin etc. Diese sind für den Menschen und zahlreiche Tiere giftig. Deswegen war es früher vielerorts verboten, entlang von Fuhrwegen oder bei Landgasthöfen und Brunnen Eibenhecken zu pflanzen. Das schwere und wertvolle Holz zeichnet sich durch Härte, Festigkeit, Elastizität und Witterungsbeständigkeit aus. Neben seiner Dauerhaftigkeit wirkt es zudem ausgesprochen dekorativ und wurde im späten Mittelalter zur Herstellung von Langbögen und Armbrustbügeln oder Wagenrädern hoch geschätzt; auch heute steht es bei Drechslern und Schnitzern noch hoch im Kurs. Zu Kriegszeiten bzw. für Rüstungszwecke wurden früher in Mitteleuropa die Eibenbestände geradezu geplündert. Auch am Uetliberg bei Zürich, wo sehr schöne Bestände zu bestaunen sind, wurde das Holz geschlagen und in Kriegsgebiete exportiert.
Das Wurzelwerk entwickelt sich, etwas bodenabhängig, ausgesprochen tief und ist mit einem hohen Anteil Feinwurzeln versehen. Ein absonniger bis halbschattiger Standort wird bevorzugt; einmal eingewachsen und etabliert sowie bei passenden Bodenverhältnissen, sind auch sonnige Lagen problemlos möglich. Im Wald (Naturverjüngung) benötigen Sämlinge zwingend Schatten. Die Eibe ist extrem schattentolerant und kommt mit sehr wenig Licht aus (300 Lux).
Ein gleichmässig frischer bis feuchter, aber dennoch gut drainierter Boden, der lehmig-humos, nahrhaft und gern kalkhaltig ist, stellt sicher das Optimum dar. Sie gedeiht aber auch noch an ärmeren und trockeneren, leicht sauren Standorten zufriedenstellend und ist recht anpassungsfähig. Abstrahlungshitze von Asphaltbelägen oder Streusalz setzen dieser Pflanze jedoch stark zu. Staunässe und Bodenverdichtung (anaerobe Bodenverhältnisse) sind für die Eibe absolutes Gift und bedeuten den sicheren Tod!
Die Eibe gilt als das mit Abstand schattenverträglichste einheimische Nadelgehölz überhaupt und kann als eine der wenigen Koniferen auch aus dem alten Holz wieder auszuschlagen: Nach einem radikalen Rückschnitt baut sie sich aus dem alten Holz wieder auf. Dennoch ist Taxus baccata in unseren Wäldern aus verschiedenen Gründen gefährdet: Zum einen wegen der über Jahrhunderte andauernden Übernutzung, zum anderen durch den Verbiss durch Reh- und Rotwild, das keine natürlichen Feinde mehr hat und oft in zu hohen Beständen den Wald besiedelt. Aber auch die Forstwirtschaft hat mit den heute parzellierten Kahlschlägen (früher war Einzelstammentnahme üblich) und der dadurch fehlenden Überschirmung bzw. dem fehlenden Schatten wesentlich dazu beigetragen, dass eine Naturverjüngung nur noch eingeschränkt möglich ist. Sicher trägt auch die unterschwellige Angst vor der Toxizität der Eibe Mitschuld, dass sie gerade in Wohngebieten und bei Kinderspielplätzen oft rigoros entfernt wird.
Schon im Altertum hatte man davon Kenntnis: Bei gallischen Fürsten galt ein Suizid mit Eibengift vor der Gefangennahme durch die Römer durchaus als ehrenhafter Weg; auch wurden Pfeilspitzen von den Galliern und Helvetiern mit Eibensud behandelt. Beim Menschen machen sich die Vergiftungserscheinungen zuerst durch Übelkeit, Schwindel, Koliken – bis hierhin habe ich es als Kind selbst erlebt – und Bewusstlosigkeit bemerkbar, bis im Extremfall der Tod durch Atemlähmung eintritt. Offenbar ist je nach Alter, Körpergewicht und Konstitution bereits der Verzehr von 50 bis 100 g Eibennadeln sehr gefährlich. Interessanterweise reagieren Tiere ganz unterschiedlich: Reh- und Rotwild frisst die Eibe sehr gern (wichtige Winternahrung), und es zeigen sich keine negativen Auswirkungen; für Pferde, Rinder, Schafe, Schweine, Hunde, Kaninchen und Ziegen sind, je nach Körpergrösse und Gewicht, unterschiedliche Mengen toxisch – bereits 100 g Blattmasse sollen bei einem Pferd zum Tod führen.
Umso erstaunlicher ist es, dass der süss schmeckende Arillus nicht giftig ist und gefahrlos gegessen werden kann. Der darin enthaltene stark giftige Samen sollte aber auf jeden Fall ausgespuckt und nicht verbissen werden – wenn er ganz verschluckt wird, bleibt er in der Regel beim Gang durch den Verdauungstrakt intakt und kommt unbeschadet wieder zum Vorschein. Kleinkinder verbeissen den Samen kaum. Deshalb ist bei der Gefahreneinschätzung bzw. der Verwendung von der Eibe im Garten ein gewisser Pragmatismus angesagt. Der Strassenverkehr als solches oder ein achtlos weggeworfener Zigarettenstummel (Nikotin) sind meiner Meinung nach für ein Kleinkind deutlich gefährlicher. Seit den 1990er-Jahren werden Wirkstoffe aus Eibenextrakten (Taxane, Paclitaxel) in der Krebstherapie erfolgreich verwendet. In der Natur wird der Arillus mit den Samen von zahlreichen Singvögeln wie z. B. Amsel, Drossel, Grünfink, Rotkehlchen und Kernbeisser gern gefressen. Er wird so weiterverbreitet und keimt danach bald; ohne diese Darmpassage benötigt er viel länger bis zur Keimung, mindestens 2 oder gar 3 Jahre. Zudem bietet die Eibe zahlreichen Vogelarten einen guten Nistplatz.
In vielen Mythologien galt und gilt die Eibe als heiliger Baum, Symbol für Weisheit und Wissen, für das Leben und den Übergang zum Tod – und sie ist auffallend häufig auf Friedhöfen anzutreffen. Unter gärtnerischen Gesichtspunkten betrachtet ergibt das extrem schnittverträgliche Gehölz wohl die schönsten auf perfekten Schnitt getrimmten geometrischen Hecken oder Formen. Es ist mit englischen und französischen Schlossgärten oder Parkanlagen untrennbar verbunden.
Mit der extremen Schattentoleranz und Schnittverträglichkeit bzw. Unempfindlichkeit gegen starke Rückschnitte wie auch der Widerstandsfähigkeit gegenüber Wurzeldruck von Bäumen, gepaart mit einem attraktiven und edlen dunkelnadeligen Aussehen ist die heimische Eibe in der Gartengestaltung sehr wertvoll. Ob als frei wachsendes Solitärgehölz oder in Mischhecken aus einheimischen Sträuchern, als akkurat geschnittene Hecke oder als kunstvolle Fantasieform gezogen, kann sie enorm viele dieser Gestaltungsfelder in optimaler Weise bespielen.
Als Schädlinge treten bisweilen Schildläuse oder der Gefurchte Dickmaulrüssler (frisst als Larve die Wurzeln und als erwachsener Käfer die Nadeln) in Erscheinung. Am richtigen Standort ist die Eibe ein robustes und äusserst langlebiges, vielgestaltiges Gehölz, das auch mit zahlreichen Formen und Sorten – die hier nachfolgend beschrieben werden – in Baumschulen kultiviert wird.
Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.
Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.
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