Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Thuja occidentalis

Abendländischer Lebensbaum | Lebensbaum | Thuja




Thuja occidentalis 'Golden Tuffet'

Wegen der (allzu) häufigen Verwendung als Heckenpflanze oder auch als Solitärgehölz auf Friedhöfen wird Thuja eigentlich unter seinem gärtnerischen Zierwert gehandelt. Der Trivialname Lebensbaum nimmt nicht Bezug auf die Verwendung als Friedhofsgrün, sondern auf die folgende Begebenheit: Französische Seeleute erkrankten zur Zeit der Kolonialisierung auf der langen Seefahrt in die kanadische Provinz Quebec oft an Skorbut.

VERBREITUNG

Im nordöstlichen Teil von Nordamerika; bevorzugt an feuchten Standorten und in Sümpfen, oft in Reinbeständen oder vergesellschaftet mit Abies balsamea, Acer rubrum, Betula papyrifera, Picea glauca und Ulmus americana anzutreffen. Nach Europa wurde Thuja occidentalis um 1536 als erste amerikanische Baumart eingeführt.

WUCHS

Immergrün belaubter, 12–18 m (27 m) hoch werdender Nadelbaum mit schuppenförmigen Blättern. Die Stammbasis ist oft verbreitert. Die Krone entwickelt sich zuerst schmal kegelförmig mit nahezu waagrecht oder leicht aufwärts stehenden Ästen und lockert sich im Alter. Das Gehölz kann über 500 Jahre alt werden und nimmt dann eine unregelmässige Gestalt an.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die oberseits dunkel-, unterseits mattgrünen, schuppenförmigen Blätter sind dicht dachziegelartig angeordnet. Im Winter nehmen die Flachblätter eine bronzebraune bis gelbliche Färbung an, die im März/April wieder verschwindet. Jedes dieser Blätter weist eine kugelige Öldrüse auf, und beim Zerreiben verströmt Thuja occidentalis einen für diese Art typischen herb-balsamischen Duft. Die Zweiglein sind stets horizontal orientiert, und an den Terminaltrieben stehen die Blattpaare weiter voneinander entfernt. An diesen Trieben werden die Blätter bis 8 mm lang, während sie an den Seitentrieben nur bis 2,5 mm lang werden; stets sind sie aber gegenständig zueinander angeordnet.

Die bis 2 mm langen, gelbbraunen männlichen Blüten entwickeln sich im ­April/­Mai gut sichtbar, während die rötlichen weiblichen Blüten eher unscheinbar bleiben. Die bis 1 cm grossen, eiförmigen, hellbraunen und aufrecht stehenden Zapfen weisen vier bis sechs ledrige Schuppenpaare auf. Die Ausstreuung der etwa 5 mm langen und 1 mm breiten Samen beginnt ab August und dauert bis in den Spätherbst bzw. Winter hinein; die leeren Zapfen verbleiben dann mindestens bis zum folgenden Frühjahr am Baum.

Das Wurzelwerk entwickelt sich in der Regel oberflächennah und ausgesprochen flach und reagiert empfindlich auf Trockenheit. Die rötlich braune und recht dünne Borke ist längsrissig und löst sich bei älteren Bäumen in Streifen vom Stamm ab. Das weiche und recht leichte Holz duftet aromatisch. Es ist trotz geringer Härte ziemlich dauerhaft und wird von der indigenen Bevölkerung Nordamerikas zur Herstellung von Kanus genutzt, während europäische Siedler es für die Herstellung von Telegrafenmasten und Zaunpfählen verwendeten.

Ein sonniger bis absonniger, auch halbschattiger Standort auf einem frischen bis feuchten, nahrhaften, sandig-lehmigen Boden behagt dem Abendländischen Lebensbaum am besten. Insgesamt ist er sehr anpassungsfähig und robust. An den pH-Wert stellt er kaum Ansprüche. Bei längeren sommerlichen Trockenphasen leidet die Pflanze, dafür werden jedoch zeitweilig vernässte Böden ­toleriert.

Essenz

Wegen der (allzu) häufigen Verwendung als Heckenpflanze oder auch als Solitärgehölz auf Friedhöfen wird Thuja eigentlich unter seinem gärtnerischen Zierwert gehandelt. Der Trivialname Lebensbaum nimmt nicht Bezug auf die Verwendung als Friedhofsgrün, sondern auf die folgende Begebenheit: Französische Seeleute erkrankten zur Zeit der Kolonialisierung auf der langen Seefahrt in die kanadische Provinz Quebec oft an Skorbut.

Auf Anraten der indigenen Bevölkerung tranken sie dann einen Sud von frischen Thuja occidentalis-Blättern und genasen – arbor vitae oder Lebensbaum nannte man die Baumart darauf und exportierte sie ins französische Heimatland. Aber aufgepasst: In der Pharmazie gilt sie als Giftpflanze und kann mit dem ätherischen Öl Thujon, das in allen Teilen enthalten ist, beim Menschen bzw. bei Warmblütern nach übermässiger Einnahme schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen; in der Homöopathie wird sie aber in entsprechenden Dosen eingesetzt. Die extrem frostverträgliche und auch Halbschatten tolerierende Art besitzt ein hohes Ausschlags- bzw. Regenerationsvermögen und erträgt auch das Stadtklima recht gut, ausser Bodentrockenheit und Streusalz.

Eigentlich stellt sie ein wertvolles und preiswertes Gehölz dar, das früher für Sicht- und Windschutzhecken, aber auch als Solitärbaum als unkompliziert und robust galt. In den letzten Jahren sind nach den heissen Sommern europaweit vermehrt absterbende Thujahecken zu beobachten; neben dem Hitze- und Trockenheitsstress ist in der Regel der Sekundärbefall mit verschiedenen Pilzkrankheiten wie Kabatina-Triebsterben, Pestalotia-Zweigsterben, Pythiumbefall, Schuppenbräune oder auch Thujaborkenkäferbefall verantwortlich für das Absterben von ganzen Hecken.

Die Samen werden von zahlreichen Singvögeln gefressen, und Thuja occidentalis wird von etlichen heimischen Vogelarten als katzensicheres und Schutz vor Kälte/Nässe bietendes Nistgehölz geschätzt. In Baumschulen werden neben dieser Art auch zahlreiche im Habitus und Erscheinungsbild sehr unterschiedliche Gartenformen bzw. Sorten kultiviert. Aufgrund der erwähnten Schwierigkeiten, mit denen dieses Gehölz in jüngster Zeit in unseren Gärten und Parkanlagen zu kämpfen hat, sind in den europäischen Baumschulen die Bestände und Anbauflächen meist stark reduziert worden.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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