Hier präsentieren wir eine Auswahl aus den über 4000 Pflanzen des Buches «Plantae».

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Tilia cordata

Berglinde | Kleinblättrige Linde | Steinlinde | Winterlinde




Tilia cordata

Die Winterlinde – übrigens Baum des Jahres 2016 – ist in der europäischen Geschichte und Mythologie fest verankert: Sie gilt als Symbol für Güte, Bescheidenheit, Liebe, Gerechtigkeit und Heimat.

VERBREITUNG

Europa und bis zum Kaukasus; vom Flach- bis ins Bergland (1500 m ü. M.) in Mischwäldern und an deren Rändern auf frischen, humosen, kalkhaltigen Lehmböden. Wurde oft auch an markanten Stellen, bspw. auf Hügeln oder an Wegkreuzungen, durch Menschenhand gepflanzt. Tilia cordata ist eine der Elternarten (zusammen mit Tilia platyphyllos) der auch in der freien Natur gar nicht so selten anzutreffenden Hybrid-Linde bzw. der Holländischen Linde oder Bastard-Linde (Tilia × europaea).

WUCHS

Aufrecht wachsender, geradestämmiger, sommergrüner Laubbaum von 20 bis 25 m (30 m) Höhe, der eine breit eirunde bis herzförmige Krone ausbildet. Kann bis 1000 Jahre alt werden.

MERKMALE & EIGENSCHAFTEN

Die wechselständig an den Trieben angeordneten, etwas steifen Blätter sind rundlich bis herzförmig und werden bis 8 cm lang und 7 cm breit; sie münden in eine kurz zulaufende Spitze, und der Rand ist fein gesägt. Die Basis ist herzförmig und die Blattoberseite dunkelgrün glänzend, während die Unterseite bläulich grün erscheint und in den Winkeln der Blattadern rostbraune Flaumhaare besitzt (wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Tilia platyphyllos, die weisse Flaumhaare aufweist).

Im Herbst färbt sich das Laub prachtvoll gelb. Im Juni/Juli entwickeln sich die süss duftenden, gelblichen bis cremefarbenen Blüten zu dritt bis zehnt beisammen unter einem bis 8 cm langen, flügelartigen Hochblatt hängend. Sie werden gern von Bienen und zahlreichen anderen Insekten besucht und auf diese Weise bestäubt. Im Spätsommer reifen die rundlichen, bis 6 mm grossen, dünnschaligen Nussfrüchte, die mit grauen Härchen bedeckt sind.

Die jungen Zweige sind rötlich bis dunkel- oder braunrot und im Schatten manchmal grünlich. Später nimmt die Borke eine graubraune Färbung an und wird längsrissig. Die meist dunkelroten, im Schatten auch grünlichen Blattknospen sind eiförmig und eher kurz sowie mit zwei, gelegentlich drei Schuppen bedeckt.

Das weiche, gelblich weisse bis leicht rötlich angehauchte Holz ist gut bearbeitbar und bei Schnitzern und Drechslern sehr beliebt; gelegentlich wird auch der faserige Rindenbast für Flechtarbeiten genutzt. In jungen Jahren bildet die Winterlinde eine Art Pfahlwurzel aus, ab etwa dem 7. bis 10. Lebensjahr entwickelt sich dann ein beständiges, fein verzweigtes Herzwurzelsystem, das gerade die oberflächenna­hen Bodenschichten mit einem feinen Netzwerk durchzieht.

Ein sonniger bis halbschattiger Standort auf einem drainierten, aber frischen und nahrhaften, tiefgründigen, humosen Lehmboden behagt ihr am besten. An die Bodenreaktion werden kaum Ansprüche gestellt; sie kann von schwach sauer bis ins alkalische reichen. Einmal eingewachsen und etabliert, werden auch hochsommerliche Hitzephasen gut überstanden.

Essenz

Die Winterlinde – übrigens Baum des Jahres 2016 – ist in der europäischen Geschichte und Mythologie fest verankert: Sie gilt als Symbol für Güte, Bescheidenheit, Liebe, Gerechtigkeit und Heimat. Sie hatte eine grosse Bedeutung als Gerichtsplatz (Gerechtigkeitslinde) oder Schutz- und Hofbaum. Als Heilpflanze wird sie von alters her genutzt: Der Tee aus getrockneten Blüten wirkt schleim- und reizlösend bei Erkältungen sowie schweisstreibend und fiebersenkend bei grippalen Infekten; Lindenwasser wirkt hautreinigend.

Unter gärtnerischen bzw. gartengestalterischen Gesichtspunkten betrachtet, ist die Winterlinde ein wertvoller, robuster Allee- und Parkbaum, der aber auch in Landschaftsbegrünungen und Renaturierungen gut verwendet werden kann. Im Allgemeinen wird sie etwas weniger stark von Blattläusen befallen als die Sommerlinde (Tilia platyphyllos), was weniger Honig- und Russtaubildung zur Folge hat. Sie besitzt ein hohes Ausschlagsvermögen und wurde z. T. auch regelmässig auf den Stock gesetzt kultiviert, um die jungen Triebe als Flechtmaterial für Zäune oder als Viehfutter zu verwenden.

Erstaunlich ist, dass diese Linde – obwohl das Holz sehr weich ist – eine enorme Regenerationsfähigkeit und Langlebigkeit besitzt. So sind auch mehrere Jahrhunderte alte Winterlinden mit nahezu hohlen Stämmen meist immer noch in der Lage, den jeweiligen Betrachter zu überleben.

FOTOS


Eine von 4000 Pflanzen aus dem Nachschlagewerk PLANTAE.

Ein Handbuch der Gartenpflanzen, wie es noch keines gegeben hat – für Gärtnerinnen, Landschaftsarchitekten, Profis und Enthusiasten und für Bibliophile. Verfasst von Urs Lüscher.


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